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Die Castoren sind unterwegs

Seit Sonntagabend ist der erwartete Transport mit zwölf Atommüllbehältern aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague unterwegs in Richtung Wendland. Greenpeace-Aktivisten protestierten am Abfahrtsbahnhof Valognes mit Signalfackeln und Transparenten gegen den Risikotransport, der in der Nacht zum Dienstag im niedersächsischen Dannenberg eintreffen könnte.

Atommüllproblem ungelöst - La Hague verseucht das Meer, Gorleben verseucht das Grundwasser. So die Aufschrift eines Transparents, mit dem die Umweltschützer auf die Gefahren durch Atommüll aufmerksam machten. Ein drei Meter großes Radioaktivitätszeichen unterstrich den Protest.

Die zwölf Castoren sollen ins Zwischenlager Gorleben gebracht werden, wo sie zum Abkühlen 40 Jahre lang oberirdisch gelagert werden. Für die endgültige Unterbringung ist bislang der Salzstock Gorleben vorgesehen, der dafür aber mangels ausreichender Abdichtung zum Grundwasser ungeeignet ist. Tatsächlich ist weit und breit kein sicheres Endlager für den strahlenden Müll in Sicht.

Die Atomtransporte sollen vertuschen, dass niemand weiß, wohin mit dem gefährlichen Müll, sagt Greenpeace-Atomexpertin Susanne Ochse in Valognes. Umso fahrlässiger ist, dass die Bundesregierung das Problem immer noch aussitzt.

Die Risiskotechnologie Atomkraft erzeugt durch ihre pure Existenz einen Berg ungeheurer Probleme. Nicht nur dass die Atomkraftwerke selber ein Sicherheitsrisiko darstellen, der hochradioaktive Abfall, den sie produzieren, sorgt für immer weitere Probleme.

Der Müll wird zunächst durch die Lande gefahren, um in La Hague oder im britischen Sellafield wiederaufgearbeitet zu werden. Das heißt aber lediglich, dass er mit einem chemischen Verfahren in seine Bestandteile zerlegt wird. Die dabei freigesetzten Unmengen strahlender Abwässer werden aus der Anlage in La Hague in den Ärmelkanal eingeleitet: täglich 1,4 Millionen Liter.

Die hochradioaktiven festen Bestandteile des Atommülls werden verglast, in Castorbehälter verpackt und unter schwerer Bewachung quer durch die Lande zurück nach Deutschland transportiert - nach Gorleben. Dort aber ist er auch nicht sicher aufgehoben.

Nicht nur im Wendland, auch in Frankreich treffen die Atomtransporte zunehmend auf Protest. Die französische Regierung reagierte auf ganz eigene Art: Sie erließ im Sommer 2003 ein Dekret, das die Veröffentlichung von Informationen über Atomtransporte mit Gefängnis oder hohen Geldstrafen bedroht. Maulkorb statt Problemlösung.

Greenpeace fordert, das Problem an der Wurzel zu packen. Die Atomkraftwerke müssen abgeschaltet werden. In Deutschland muss die Suche nach einem sicheren Endlager für den Atommüll neu wieder aufgenommen werden.  (sit)

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