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Ein Kommentar von Thomas Breuer

Deutschlands sichere AKWs: Keines wäre heute noch genehmigungsfähig

Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) hat sich für ein Moratorium ausgesprochen: Seiner Meinung nach sollten in dieser Legislaturperiode keine Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Deutsche AKWs seien auf dem neuesten technischen Stand und nach menschlichem Ermessen sicher. Greenpeace-Atomexperte Thomas Breuer kommentiert diese Äußerung.

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Herr Müller sollte sich mit den Tatsachen der Atomkraft in Deutschland auseinander setzen, bevor er Laufzeitverlängerungen fordert. Die Atomkraftwerke, die in dieser Legislaturperiode abgeschaltet werden sollen, sind besonders alt und gefährlich. Sie sind Spitzenreiter beim Unfallrisiko und besonders verwundbar gegenüber Terrorangriffen. Biblis A und B sowie Brunsbüttel führen die Statistik der Störfälle an und alle weisen erhebliche bauartbedingte Mängel auf.

Bei Atomkraft geht es nicht um menschliches Ermessen, sondern um Fakten. Jedes Atomkraftwerk kann außer Kontrolle geraten. Nach dem früheren, noch von der Kohl-Regierung beschlossenen Atomgesetz wäre keins der 17 Atomkraftwerke in Deutschland heute noch genehmigungsfähig. Weil nicht sichergestellt werden kann, dass die Auswirkungen eines schweren Unfalls auf das Kraftwerksgelände beschränkt bleiben. So forderte es aber das Gesetz.

Publikationen

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Menschenrechtsverletzungen bei Frauen und Kindern nach dem Atomunfall im Kraftwerk Fukushima Daiichi. Report in englischer Sprache.

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