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Der Mensch beherrscht sie nicht: 365 Gründe gegen Atomkraft

Es gibt Tausende von Gründen gegen die Atomkraft - aber keinen einzigen, sich an die Allgegenwart der Atomkraft zu gewöhnen. Greenpeace hat am Freitag einen Jahreskalender veröffentlicht, der 365 Vorfälle auflistet - für jeden Tag des Jahres einen. Das kann Diebstahl von strahlendem Material sein, ein Feuer in einem Atomkraftwerk oder der Test einer Atombombe. Der Kalender beginnt mit dem 26. April 1986, dem Tag des Super-Gaus in Tschernobyl.

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Hiroshima, Nagasaki und seit 1986 Tschernobyl - mit diesen drei Namen verbinden sich für uns die Schrecken der Atomkraft. Der Greenpeace-Kalender zeigt, dass wir nur die Spitze des Eisbergs kennen. Unter den 365 dargestellten Ereignissen gibt es viele, die in einer Katastrophe hätten enden können.

Wie viele Menschen weltweit bereits Opfer der Atomkraft geworden sind, weiß niemand. Die Fotos von Robert Knoth, die den Kalendertext begleiten, stammen aus vier atomar verseuchten Regionen der ehemaligen Sowjetunion. Die Leiden der Menschen dort nimmt kaum jemand wahr.

Der Rückblick zeigt Atomkraft als verheerende Technik. Sie war und ist nicht beherrschbar, Fehler führen zu katastrophalen Folgen, sagt Thomas Breuer, Atomexperte von Greenpeace. Wo Radioaktivität in größeren Mengen austritt, verstrahlt sie ganze Regionen und gefährdet die Menschen. Diese Gefahren lassen sich nur ausschließen, wenn wir die Atomkraft aufgeben.

Während am 24. Dezember 1967 in vielen Regionen der Welt Weihnachten gefeiert wurde, verseuchten im chinesischen Lop Nor oberirdische Atombombentests weite Gebiete. Als Frankreich am 14. Juli 1961 wie jedes Jahr seinen Nationalfeiertag beging, kam es im russischen Tomsk zu einer unkontrollierten Kettenreaktion in einer Urananreicherungsanlage. Und am Neujahrstag 1992 musste im indischen Atomreaktor Rajasthan das Notkühlsystem aktiviert werden, um nach einem Auslaufen von schwerem Wasser Schlimmeres zu verhindern.

In allen Industrieanlagen passieren täglich Unfälle, das ist gar nicht zu vermeiden. Das gilt auch für Atomkraftwerke. Wer behauptet, Atomkraft sei sicher, hat nie die lange Liste der Vorfälle gesehen, sagt Breuer.

Nicht nur von Atomkraftwerken geht Gefahr aus. Alle Atomanlagen, wie Lagerstätten für Atommüll und Wiederaufbereitungsanlagen, bergen unangemessene Risiken für Menschen und Umwelt. Auch hier ereignen sich Unfälle, bei denen radioaktives Material austritt. Auch hier verschwindet immer wieder radioaktives und sogar bombenfähiges Material.

Aus der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield beispielsweise verschwanden Anfang 2005 rund 30 Kilogramm Plutonium. Eine Menge, die für den Bau von fünf bis sechs Atombomben reicht.

Greenpeace fordert, Atombomben weltweit abzurüsten, alle Atomkraftwerke so schnell wie technisch möglich abzuschalten und die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) umzuwandeln: Sie soll in Zukunft den weltweiten Ausstieg aus der Nutzung der Atomkraft kritisch begleiten.

Schauen Sie selbst: Tag für Tag bringt uns die Nutzung des Atoms an den Rand zur Katastrophe: 365 Gründe gegen Atomkraft

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