Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Das Wendland vor dem Castor

Viele Demonstranten sind noch nicht eingetroffen - dafür aber mehr als genug Polizisten. Überall fahren oder stehen Kolonnen von grün-weißen Fahrzeugen, kaum eine Straßenkreuzung wird ausgelassen. Man kann sich sicher fühlen, bei dieser Rund-um-die-Uhr-Bewachung.

Doch hier geht es nicht um Sicherheit. Zumindest nicht um die der Bevölkerung. In den nächsten Tagen sollen erneut zwölf Castoren aus der so genannten Wiederaufarbeitungsanlage La Hague in Frankreich ins Zwischenlager nach Gorleben geschafft werden. Der Zug mit den Castoren wird La Hague am Samstag verlassen und Sonntags am frühen Nachmittag an der deutsch-französischen Grenze erwartet.

Am Verladekran in Dannenberg stehen schon zwölf Schwertransporter mit den Behältern für den Atommüll bereit: leuchtend weiß mit der Aufschrift www.kernenergie.de. Hinter Absperrgittern und Natodraht reiht sich ein voll besetztes Polizeifahrzeug an das andere. Dort werden die Atombehälter vom Zug auf die LKW umgeladen. Die letzten Kilometer bis Gorleben werden die Castoren über die Straßen transportiert.

Auch das Zwischenlager gleicht einer Polizeifestung: Wasserwerfer, gepanzerte Fahrzeuge, Materialwagen .... Den Wald darum patrollieren Polizisten auf Pferden, kontorllieren Polizeifahrzeuge die Wirtschaftswege und stehen an jede Ecke des Geländes. Rund um das Erkundungsbergwerk - das geplante Endlager - nebenan sieht es kaum anders aus

Die Atomtransporte ins wendländische Zwischenlager Gorleben zementieren den benachbarten Salzstock Gorleben als mögliches Endlager für hochradioaktiven Müll. Und das, obwohl der Salzstock für eine dauerhafte Lagerung von Atommüll völlig ungeeignet ist. Denn langfristig besteht die Gefahr, dass Radioaktivität frei gesetzt wird und in Kontakt mit dem Grundwasser tritt.

Die Menschen im Wendland wehren sich gegen diese Gefahr und dafür gehen seit Jahren auf die Straße. Auch in diesem Jahr wird der Widerstand wieder bunt und lebendig sein. (bes)

Tags:

Weiterführende Publikationen zum Thema

Absage an die Atommüll-Kommission

Greenpeace hat gemeinsam mit der Anti-Atom-Organisation ‚Ausgestrahlt‘ und der 'Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg‘ die Teilnahme an der Anhörung der Atommüllkommission am 3. November 2014 in einem Brief abgesagt.

Mehr zum Thema

Rückkehr ins Ungewisse

Japans Versuche, die Region um das AKW Fukushima von Strahlung zu säubern, sind gescheitert, das zeigt ein Greenpeace-Report. Trotzdem sollen die Evakuierten zurück in ihre Häuser.

Der Wahnsinn in Tüten

Atommüll, der sich im Wald stapelt, Atomtransporte auf den Straßen – das Leben rund um Fukushima ist nicht normal. Jetzt reagiert sogar die UN und verlangt von Japan Aufklärung.

Ein klares Jein

An potenziellen Atommüll-Endlagern darf (fast) nicht gebohrt, gegraben, gehämmert werden, so ein neues Gesetz. Nur Gorleben bleibt eine Ausnahme – eine Greenpeace-Klage scheiterte.