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Japan ist atomstromfrei

Das letzte AKW ist vom Netz

Ab heute gehen in Japan die Lichter auch ohne Atomstrom an. Denn heute wird das letzte von 54 Atomkraftwerken zwecks Revision abgeschaltet: das AKW Tomari auf der Insel Hokkaido. Für die japanische Regierung ist das eine einzigartige Chance. Folgt sie dem Rat ihrer Experten und dem Wunsch vieler Bürger, dann bleiben die Meiler für immer vom Netz.

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Hunderttausende Menschen leiden unter den Folgen der Katastrophe von Fukushima. Einem weiteren nuklearen Risiko darf die japanische Bevölkerung nicht ausgesetzt werden, sagt Junichi Sato, Geschäftsführer des japanischen Greenpeace-Büros.

Greenpeace fordert die Regierung auf, in Zukunft auf Erneuerbare Energien zu setzen. Auch ohne ein einziges AKW ist die Stromversorgung gesichert. Die Spitzennachfrage im Sommer 2012 kann durch Energieeffizienz, gute Netzauslastung und Stromspeichertechniken aufgefangen werden, so Hisayo Takada, Energieexpertin bei Greenpeace.

Dass Japan keine Atomkraft braucht, hat ein Report gezeigt, den Greenpeace im September 2011 veröffentlichte: das Energy [R]Evolution Scenario. Die japanischen Bürger müssen demnach nicht fürchten, dass Kohlestrom nun den Atomstrom ersetzen müsse. Japan kann auch seine Klimaziele bis 2020 erreichen: durch den zügigen Ausbau der Erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und intelligente Netze.

Japans Atomkraftwerke und seine Institutionen würden kein weiteres schweres Erdbeben verkraften. Genau das aber ist nach Expertenmeinung innerhalb der nächsten Jahre zu erwarten, so Takada. Eine weitere Kernschmelze würde der japanischen Wirtschaft das Rückgrat brechen, ganz zu schweigen von dem menschlichen Leid. Warum also ein solches Risiko eingehen, wenn es eine sichere Alternative gibt?

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