Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Brasiliens Regierung im Atomrausch

In Rio de Janeiro haben Greenpeacer am Dienstagmorgen das Tor zur Zentrale der brasilianischen Atomfirma INB verschlossen. Sie ketteten sich an Fässer und forderten ein Ende des nuklearen Abenteuers. Anlass war die Ankündigung der brasilianischen Regierung, Milliarden US-Dollar in den Ausbau der Atomkraft zu investieren.

Das umstrittene brasilianische Atomprogramm sieht vier neue Atomkraftwerke, die Fortführung der Urananreicherung und ein atomar angetriebenes U-Boot vor. Dies aus Steuergeldern, obwohl der größte Teil der Bevölkerung gegen ein solches Verschleudern von öffentlichen Mitteln ist.

Dazu Greenpeace-Energieexperte Sergio Dialetachi: Die Atomindustrie ist ein wahres Loch in der brasilianischen Geldbörse. Anstatt in schmutzige Energien zu investieren, sollte die Regierung lieber dafür sorgen, dass Millionen von Brasilianern nicht mehr hungern müssen.

Am brasilianischen nuklearen Abenteuer ist auch die deutsche Bundesregierung beteiligt. Deutschland hat im November 1975 einen Atomvertrag mit der damaligen brasilianischen Militärregierung geschlossen. Er beinhaltet Finanzierungsmaßnahmen und einen umfangreichen Technologietransfer. Der Vertrag kann alle fünf Jahre gelöst werden, jeweils ein Jahr im Voraus.

Mehrere Umwelt- und Entwicklungsorganisationen, darunter Greenpeace, haben die rot-grüne Regierung am 6. Oktober in einem gemeinsamen Brief aufgefordert, die Chance zu nutzen und das Relikt aus Zeiten der brasilianischen Militärdiktatur jetzt zum November 2005 zu kündigen. Dies besonders angesichts des in Deutschland proklamierten Atomausstiegs. (sit)

Tags:

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Unequal Impact

Menschenrechtsverletzungen bei Frauen und Kindern nach dem Atomunfall im Kraftwerk Fukushima Daiichi. Report in englischer Sprache.

Mehr zum Thema

Es ist zwei vor Zwölf

Die UN wollen Atomwaffen verbieten, der Vertrag wird gerade ratifiziert. Nur: die Atommächte machen nicht mit. Ein Interview mit Greenpeace-Experte Heinz Smital und Alexander Lurz.

Sicherheit ist gutes Recht

Frankreichs AKW haben ernste Sicherheitsmängel; darauf machten Greenpeace-Aktivisten mit friedlichem Protest aufmerksam. Ein AKW-Betreiber zog vor Gericht – mit mäßigem Erfolg.

Schlechter Gewinner

Frankreichs Präsident Macron wird für seine Vision Europas mit dem Karlspreis ausgezeichnet. Doch sein Beharren auf Atomkraft verdient keine Würdigung, sagen Greenpeace-Aktivisten.