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Atomwahn in Brasilien

Mit Protest reagierten gestern Umweltschutzorganisationen auf Brasiliens Ankündigung, bis zu sieben neue Atomkraftwerke bauen zu wollen. Das Land könne so seine Abhängigkeit von Wasserkraft reduzieren, so hatte Brasiliens Wissenschaftsminister Sergio Rezende den Schritt begründet. Die Pläne benötigen noch die Zustimmung des brasilianischen Kongresses und Präsident Luiz Inacio Lula da Silvas.

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Geht es nach Rezende, wird Brasilien nach Fertigstellung des Angra 3 Kraftwerks in der Nähe Rio de Janeiros alle zwei bis drei Jahre ein neues AKW bauen. Im Zuge des deutsch-brasilianischen Atomvertrags von 1975 war deutsche Technologie maßgeblich an der Konstruktion des Angra 2 Reaktorblocks beteiligt. Angra 3 stützt sich auf das Know-How des deutsch-französischen Unternehmens Framatome (einem joint-venture zwischen der Areva-Gruppe und Siemens).

Mit dem Bau neuer AKWs will Rezende den Anteil von Atomkraft an der gesamten Energieerzeugung von derzeit zwei auf fünf Prozent erhöhen. In Planung sind zwei neue Kraftwerke im trockenen Nordosten des Landes, einer von Brasiliens ärmsten Gegenden. Der nötige Brennstoff soll aus einer neuen Uran-Anreicherungsanlage in der Nähe des Angra 3 Kraftwerks stammen. Diese wird nächsten Monat in Betrieb genommen.

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