Atomunfälle

Katastrophen und Beinahe-Katastrophen begleiten die Geschichte der zivilen Atomkraft

Vom Störfall bis zur Tragödie

Die Geschichte der zivilen Atomkraft ist eine Geschichte von Katastrophen und Beinahe-Katastrophen. Von kleinen und größeren Störfällen. Allen ist gemeinsam: Sie wurden vertuscht, verheimlicht, verharmlost. Die Atomkraft wird vor den Menschen geschützt - nicht umgekehrt.

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Es beginnt in den 1950er Jahren, während des Kalten Kriegs. In Ost und West treiben Regierungen parallel zur militärischen Aufrüstung den Aufbau einer zivilen Atomkraft-Infrastruktur voran. Der Bevölkerung wird die Kernenergie als sauber, sicher und wohlstandsfördernd verkauft. Von Risiken, Pannen und Unfällen erfährt sie so gut wie nichts. Sechs Jahrzehnte später stehen wir vor der Frage: Was alles haben wir nicht erfahren?

Windscale/Sellafield

Oktober 1957: Der innerste Kern des britischen Plutoniumreaktors Windscale steht in Flammen, zehn Tonnen Uran und 2.000 Tonnen Graphit. Eine radioaktive Wolke steigt aus dem Schornstein auf. In ihrer Not greift die Mannschaft zu einem Mittel, das russischem Roulette gleichkommt – und hat Glück. Das Feuer ist gelöscht. Die Menschen in Großbritannien ahnen nicht, welcher Katastrophe sie entgangen sind. Mehr als 30 Jahre lang vertuschen britische Regierungen das wahre Ausmaß. 1981 wird der Name des Standortes in Sellafield umbenannt. mehr ...

Majak 

September 1957: Im russischen Atomkomplex Majak versagt die Kühlung radioaktiven Abfalls, der Müll explodiert. Eine radioaktive Wolke steigt auf und verstrahlt großflächig das Gebiet um die Anlage. Tausende Menschen sterben an den Folgen. Städte und Dörfer werden umgesiedelt. Majak gilt als einer der am schlimmsten verstrahlten Orte der Welt. Heute ist dort jeder zweite Erwachsene unfruchtbar, jedes dritte Neugeborene kommt mit Missbildungen auf die Welt. Erst als die Sowjetunion zusammenbricht, erfährt die Welt von dem Unfall, der jahrzehntelang geheim gehalten wurde.

Three Mile Island/Harrisburg

März 1979: Im neuen Block 2 des AKW Three Mile Island bei Harrisburg/USA führen technische Fehler und menschliches Versagen zu einer Wasserstoffexplosion. Um den Druck zu senken, lassen die Reaktorfahrer radioaktive Gase, Dampf und Wasserstoff in die Umwelt ab. Radioaktiv verseuchtes Wasser fließt in den Susquehanna-Fluss. Die AKW-Leitung behauptet, alles unter Kontrolle zu haben, erst 36 Stunden später werden kleinere Kinder und Schwangere aus der 5-Meilen-Zone evakuiert. Weitere 200.000 Menschen ergreifen die Flucht. Die gesundheitlichen Folgen der Teil-Kernschmelze werden kaum untersucht.  mehr ...

Tschernobyl

April 1986, der erste Super-GAU: Reaktor 4 des AKW Tschernobyl bei Pripjat/Ukraine brennt nach einer Explosion zehn Tage lang. Eine mächtige radioaktive Wolke verseucht die Region und zieht in Schüben über Europa. Pripjat wird erst 36 Stunden nach dem Unfall evakuiert, die Bevölkerung über die Gefahr im Dunkeln gelassen. Drei Tage nach der Explosion wird der Unfall weltweit publik. Die deutsche Bundesregierung wiegelt ab: Keine Gefahr. Messwerte werden zurückgehalten. Erst am 2. Mai setzen die Behörden Grenzwerte für Milch von weidenden Kühen fest. Noch heute sind Wild, Beeren und Pilze in Teilen Süddeutschlands radioaktiv belastet.  mehr ...

Fukushima

März 2011: Eine doppelte Naturkatastrophe zerstört die Küste Nordostjapans. Störungsmeldungen aus mehreren Atomanlagen lassen den Atem stocken. Betroffen ist vor allem das AKW Fukushima Daiichi. Tagelang ist das Ausmaß nicht klar. Atomphysiker wie der Greenpeace-Experte Heinz Smital gehen schon früh vom Super-GAU aus. Sie behalten recht. Doch der AKW-Betreiber, die japanische Regierung und die Internationale Atomenergieorganisation IAEO spielen die Tragödie herunter und gefährden damit Leben und Gesundheit der Bevölkerung. Heute wissen wir: In Fukushima wurde das Zehnfache dessen an radioaktivem Jod-131 freigesetzt, was zur Einstufung in die höchste Stufe 7 der INES-Skala führt.  mehr ...


 


 

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Veröffentlichungen zu diesem Thema

Report: Unequal Impact

Menschenrechtsverletzungen bei Frauen und Kindern nach dem Atomunfall im Kraftwerk Fukushima Daiichi. Report in englischer Sprache.