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Atommüllendlager: Eines für alle

Eine Gruppe von Regierungsbeamten und Industrievertretern aus Europa und Japan grübelte Anfang September auf einem Treffen der World-Nuclear-Association (WNA) über Pläne für ein internationales unterirdisches Atomendlager. Ihr Hauptaugenmerk richteten sie dabei auf Osteuropa und Ostasien. Charles McCombie, Sprecher der Organisation ARIUS sagte, dass man allerdings noch weit davon entfernt sei, potenzielle Lagerstätten zu benennen. Aber China, Russland und Australien seien im Gespräch.

ARIUS (Association for Regional and International Underground Storage) wurde im Februar 2002 von verschiedenen Mitgliedern gegründet. Beteiligt sind: ONDRAF, Belgiens nationale Atommüllbehörde; PURAM, die entsprechende Behörde Ungarns; die schweizerische Colenco Power Engineering; die japanische Obayashi Corporation und das bulgarische Atomkraftwerk in Kosloduj. ARIUS ist die Nachfolgeorganisation des internationalen Pangea-Konsortiums. Das musste Ende der 90er Jahre aufgeben, nachdem in Australien ein Proteststurm losgebrochen war, als die heimliche Suche nach einer Endlagerstätte im australischen Outback bekannt wurde.

Dass selbst atomfreundliche Staaten wie Frankreich den Export ihres nationalen Atommülls in ein fremdes Endlager ausdrücklich untersagen, hält McCombie für keinen Hinderungsgrund. In der EU-Hauptstadt Brüssel werde die Möglichkeit einer von vielen Ländern genutzten Lagerstätte als vernünftiger Ansatz betrachtet. Allerdings sieht McCombie, dass eine Regierung auf starke Opposition stoßen wird, wenn sie der Errichtung eines Endlagers für den Atommüll anderer Länder beschließt. In dem von ihm mitverfassten Papier für das Treffen stellt er fest: Ein Blick auf die Geschichte gibt uns diesbezüglich keinen Grund für Optimismus.

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