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Greenpeace fordert die SPD auf, alternative Endlager zu suchen

Atommüll nicht in Gorleben versenken

Ein Teich auf dem Karlsruher Messegelände ist zur symbolischen Atommülldeponie geworden: Greenpeace-Aktivisten haben am Montag 400 Atommüllfässer im und um das Wasser aufgebaut. Nicht weit entfernt tagt derzeit die SPD. Greenpeace fordert die Sozialdemokraten auf, sich gegen das geplante Atommüllendlager im Salzstock Gorleben stark zu machen. Der Salzstock hat Kontakt zum Grundwasser und ist darum als Standort ungeeignet.

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Die Entscheidung für den Standort Gorleben fiel 1977. Der damalige niedersächsische Ministerpräsident Albrecht (CDU) legte sich aus rein politischen Gründen auf den Ort an der ehemaligen DDR-Grenze fest. Relativ schnell stellte sich heraus, dass der Salzstock als Endlager für radioaktiven Atommüll ungeeignet ist.

Wissenschaftler warnen: Dem Salzstock fehlt auf einer Fläche von 7,5 Quadratkilometern das erforderliche wasserdichte Deckgebirge. In dieser so genannten Gorlebener Rinne liegen Geröll und Grundwasser direkt auf dem Salz. Damit besteht die Gefahr, dass aus dem Atommüll gelöste Radionuklide ins Grundwasser gelangen und dieses verseuchen.

Die Atomkonzerne E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW interessiert das nicht. Seit 1995 lassen sie ihren Risikomüll nach Gorleben schaffen. Dort werden immer mehr Castoren oberirdisch zwischengelagert, obwohl über ein Endlager Gorleben noch nicht entschieden ist. Voraussichtlich am 19. November ist es wieder so weit: Dann rollen die nächsten Castoren aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage in La Hague per Bahn und LKW ins Wendland.

Sigmar Gabriel, ehemals Ministerpräsident von Niedersachsen, steht Gorleben sehr kritisch gegenüber. Schon 1999 stellt er in einem Interview mit der Berliner Zeitung fest: Nach unseren Erkenntnissen und unserer Überzeugung ist Gorleben ungeeignet. Noch-Umweltminister Jürgen Trittin von den Grünen hat während seiner Amtszeit mehrmals einen Gesetzentwurf zur alternativen Standortsuche angekündigt. Doch ausgerechnet die grünen Landesverbände betätigten sich immer wieder als Bremser.

Auch wissenschaftliche Berater der Bundesregierung fordern, alternative Endlager zu suchen. Der vom Bundesumweltministerium eingesetzte Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlagerstandorte (AkEnd), der sowohl mit Gegnern als auch mit Befürwortern der Atomkraft besetzt war, hat in den Jahren 1999 bis 2002 ein Verfahren zur alternativen Endlagersuche entwickelt.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat kürzlich einen Bericht über konzeptionelle und sicherheitstechnische Fragen der Endlagerung radioaktiver Abfälle veröffentlicht. Darin ist zu lesen, dass sich aus den Erkenntnissen der Studie nun die Notwendigkeit eines Standortvergleiches ergibt.

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