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Atommüll allerorten

Sydney am Montag zu nachtschlafender Zeit: Schwer bewacht von Polizeieskorten fahren fünf LKWs durch die Vororte der australischen Stadt. Sie bringen 344 abgebrannte Brennelemente aus dem Atomkraftwerk Lucas Heights nach Port Botany. Von dort soll der strahlende Müll nach Frankreich zur Wiederaufarbeitung verschifft werden. Die Aktion wird streng geheim gehalten.

Nicht geheim genug. Greenpeace-Aktivisten und Freiwillige der örtlichen Atomkritiker-Gemeinde hatten sich bereits an der Strecke postiert. Sie dokumentierten, wie die LKWs durch den General-Holmes-Tunnel unter dem Flughafen von Sydney fuhren. Eine Strecke, die für Gefahrengüter verboten ist.

Auch in Port Botany wartet schon ein Team der Umweltschützer. Aktivisten in Schlauchbooten umringen die französische Fret Moselle und beobachten, wie die Brennelemente verladen werden. Das Schiff hat es eilig abzulegen. Es handelt sich um den ersten Übersee-Transport von hochradioaktivem Müll seit Januar 2001.

Greenpeace-Atomexperte James Courtney erinnert an die langjährige Tradition von Greenpeace, über solch unmoralische Aktivitäten Zeugnis abzulegen. Davon werde sich die Organisation auch in Zukunft nicht abhalten lassen.

In der kommenden Woche soll im australischen Parlament über ein neues Gesetz diskutiert werden, das so genannte Commonwealth Nuclear Secrets Bill. Kommt es durch, so ist das Dokumentieren solcher Frachten von Seiten unabhängiger Beobachter in Zukunft illegal. Nicht die Gefahr wird gebannt, sondern das Berichten darüber.

Frankreich lässt grüßen. Dort ist im August ein ganz ähnliches Gesetz in Kraft getreten. Seitdem dürfen Kritiker die französische Öffentlichkeit nicht mehr über Umstände und Gefahren der Atomtransporte aufklären.

Und Deutschland? Im November werden hier die Castoren wieder rollen. Zwölf Behälter mit hochradioaktivem Müll werden voraussichtlich in der zweiten Novemberwoche im französichen La Hague verladen und dann per Bahn durch Deutschland transportiert. Auf der eingleisigen Strecke von Lüneburg nach Dannenberg wird es keinen Personenverkehr mehr geben, bis die Castoren durchgerollt sind. Von Dannenberg geht es dann per LKW weiter nach Gorleben.

Das alles unter schwerster Bewachung vom Boden und aus der Luft. Die ganze Region um Gorleben wird großräumig abgesperrt sein. Rund 13.000 Polizisten und Bundesgrenzschützer werden wie im Jahre 2002 abgestellt, damit der strahlende Müll sicher an einem Ort untergebracht werden kann, den Experten für ungeeignet halten. Ob als Zwischen- oder als Endlager. (sit)

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