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Sogar 67 Prozent der CDU/CSU-Wähler wollen kein AKW in ihrer Nachbarschaft

Atomkraft ist out

Atomkraft ist in Deutschland unbeliebt. In einer aktuellen von Greenpeace in Auftrag gegebenen Umfrage sprechen sich 70 Prozent der Befragten weiterhin für einen Ausstieg aus der Atomenergie aus. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung würde sogar lieber schneller aussteigen, als derzeit vorgesehen. Lediglich 13 Prozent würde einen unbegrenzten Weiterbetrieb der Atomkraftwerke begrüßen. Am größten ist die Ablehnung wenn es um den Neubau eines Atomkraftwerkes in der eigenen Nachbarschaft geht: Dies lehnen 75 Prozent aller Befragten ab, bei CDU/CSU-Wählern sind es immerhin noch 67 Prozent.

Wenn Angela Merkel denkt, sie hätte für ihren Atomkurs die Akzeptanz der Wähler, dann liegt sie falsch, sagt Christian Bussau, Atom-Experte von Greenpeace. Die Menschen in Deutschland wollen keinen Rückfall ins Atomzeitalter, und das aus gutem Grund: Sie ist gefährlich, sie ist nicht beherrschbar, sie ist anfällig für Terrorangriffe und sie produziert hochradioaktiven Müll, der noch Hunderttausende von Jahren strahlt. Für dieses Problem gibt es bis heute keine Lösung.

Auch ein Endlager für Atommüll in Gorleben stößt auf Ablehnung. 58 Prozent der Befragten sprechen sich dagegen aus. In der Altersgruppe der 14 bis 29-Jährigen sind es 73 Prozent. Bei ihnen ist die Ablehnung allgemein besonders hoch: 76 Prozent fordern ein Ende der Atomkraft. Besonders stark ist dieser Trend bei Schülern. Forderten 2004 noch 18 Prozent von ihnen ein schnelleres Abschalten der Atomkraftwerke, sind es dieses Jahr mit 39 Prozent mehr als doppelt so viele.

In der kommenden Legislaturperiode sollen laut rot-grünem Ausstiegsfahrplan die AKW Biblis A und B, Neckarwestheim und Brunsbüttel vom Netz gehen. Das sind Reaktoren mit endlosen Mängellisten, die häufig wegen Sicherheitsproblemen vom Netz genommen werden mussten, so Bussau. Diese Reaktoren müssen abgeschaltet werden, um die Bevölkerung zu zu schützen. Das muss auch die CDU einsehen. Sie darf den Willen der deutschen Bevölkerung nicht einfach ignorieren. Greenpeace fordert von allen Parteien, aus der Atomkraft auszusteigen und Gorleben nicht zum Endlager zu machen.

Am Montag kritisierte auch der Präsident des Umweltbundesamtes Andreas Troge die Pläne der CDU/CSU für einen Weiterbetrieb von Atomkraftwerken. CDU-Mitglied Troge erklärte der Berliner Zeitung, längere Laufzeiten verzögerten nur die dringend nötige Modernisierung von Kraftwerken. Auch für den Klimaschutz sei Atomkraft nicht besser als andere Alternativen. Für geringere Energiekosten, die sich seine Partei von einer Verlängerung der Laufzeiten erhofft, sieht Troge nur geringen Spielraum. Die Gesellschaft müsse sich darauf einstellen, dass Energie zukünftig nicht mehr billig sein werde.

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