Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Alles ganz normal: Erneut Defekt in Krümmel gefunden

Die Kette der Schadensmeldungen aus dem Vattenfall-AKW Krümmel reißt nicht ab. Seit der Reaktor genauer untersucht wird, reiht sich ein Fund an den anderen. Diesmal ist es ein Haarriss an der Steuerleitung eines Sicherheits- und Entlastungsventils - wieder ein meldepflichtiges Ereignis der Kategorie N (Normal). Alles ganz normal also?

  • /

Das Bild, zu dem sich die Schadensmeldungen aus Krümmel und Brunsbüttel zusammenfügen, ist katastrophal. Ganz offensichtlich geht es nicht um Einzelerscheinungen, sondern um Grundsätzliches. Es geht um eine allzu laxe Einstellung zur Hochrisikotechnologie Atomkraft, es geht um Vattenfall selber, sagt Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital. Auch in Schweden musste ein AKW des Energiekonzerns schon wieder heruntergefahren werden.

Block 3 des größten schwedischen Atomkraftwerks Ringhals wurde am 20. August nach einem Brandalarm an einem Generator vom Netz genommen werden. Nur Stunden nach der Schnellabschaltung fuhren sie den Reaktor wieder hoch - auf halbe Leistung. Zwei Tage später ging er wieder vom Netz: Man konnte nicht ausschließen, dass der gleiche Fehler auch am zweiten Generator auftreten würde.

Weitere zwei Tage später wird bekannt, dass die Schäden an Block 3 größer sind als von Vattenfall zunächst zugegeben. Nach jetzigem Stand wird die Reparatur etwa zwei Monate dauern.

Wann Krümmel und Brunsbüttel wieder ans Netz gehen, ist nach wie vor unklar. Greenpeace fordert die endgültige Stilllegung der beiden Pannenmeiler und einen schnelleren Ausstieg aus der Atomkraft als von der Bundesregierung geplant.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Unequal Impact

Menschenrechtsverletzungen bei Frauen und Kindern nach dem Atomunfall im Kraftwerk Fukushima Daiichi. Report in englischer Sprache.

Mehr zum Thema

Es ist zwei vor Zwölf

Die UN wollen Atomwaffen verbieten, der Vertrag wird gerade ratifiziert. Nur: die Atommächte machen nicht mit. Ein Interview mit Greenpeace-Experte Heinz Smital und Alexander Lurz.

Sicherheit ist gutes Recht

Frankreichs AKW haben ernste Sicherheitsmängel; darauf machten Greenpeace-Aktivisten mit friedlichem Protest aufmerksam. Ein AKW-Betreiber zog vor Gericht – mit mäßigem Erfolg.

Schlechter Gewinner

Frankreichs Präsident Macron wird für seine Vision Europas mit dem Karlspreis ausgezeichnet. Doch sein Beharren auf Atomkraft verdient keine Würdigung, sagen Greenpeace-Aktivisten.