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AKWs mit schweren Konstruktionsfehlern

Vor einem französischen Tschernobyl warnen Atomgegner in Paris. Die französische Atomaufsichtsbehörde ASN hatte am 7. Januar Konstruktionsfehler im Notkühlsystem der landesweiten Druckwasserreaktoren bekannt gegeben. Sie stufte das Problem auf der von 0 bis 7 reichenden Internationalen Störfall-Skala (INES) mit einer 2 ein und musste den Zwischenfall der Internationalen Atomaufsichtsbehörde (IAEA) in Wien melden.

Die ASN teilte mit, dass in bestimmten Störfall-Situationen, die sehr unwahrscheinlich seien, wie der Bruch aller Leitungen im Primärkreislauf, die Filteranlagen zur sofortigen Rückgewinnung des Kühlwassers verstopfen können. In einem solchen Falle könnte dann nicht unverzüglich ausreichend Wasser ins Kühlsystem gepumpt werden. Eine gefährliche Überhitzung des Reaktorkerns wäre die Folge.

Greenpeace-Atomexpertin Susanne Ochse erinnert sich an einen ähnlich gelagerten Fall, der sich bereits 1992 im schwedischen Atomkraftwerk Barsebäck ereignete: Als der Reaktor gerade hochgefahren werden sollte, entstand an einer einzigen Leitung ein Leck. Ein Kühlmittelverlust-Unfall hatte begonnen.

Gerade noch davongekommen

Der ausströmende Dampf beschädigte die Isolierungen anderer Rohrleitungen, die sich in der Nähe befanden, erklärt Susanne Ochse. Das Isoliermaterial wurde mitgerissen. Es gelangte in die Auffangvorrichtungen, die so genannten Kondensationskammern. Dort soll sich der Dampf niederschlagen und das kondensierte Wasser sammeln. So bildet sich eine Wasserreserve, die vom Notkühlsystem angezapft werden muss.

Vor den Ansaugöffnungen dieses Systems befinden sich Filter oder Siebe. Sie wurden durch das abgesprengte Isoliermaterial rasch verstopft. Sicherheitsanalysen waren davon ausgegangen, dass dieser Vorgang rund zehn Stunden dauern würde. Tatsächlich brauchte es nur 60 Minuten. Glück im Unglück: Der Reaktor hatte gerade einmal zwei Prozent der Volllast erreicht, so blieb der Vorfall für die Betriebsmannschaft des AKW gerade noch beherrschbar.

Der schwedische Reaktor zählt zu den Siedewasserreaktoren und unterscheidet sich damit von Druckwasserreaktoren. Gleichwohl wurden die Fachleute in vielen Ländern auf die Gefahr aufmerksam und fingen an, das Risiko für Druckwasser-AKW zu untersuchen.

Nachdem der französische Stromlieferant und Betreiber von Atomkraftwerken EDF seine Resultate der ASN im Dezember 2003 präsentierte, trat die Behörde Anfang Januar an die Öffentlichkeit. Bis Ende April soll EDF nun Lösungsvorschläge machen.

Skandal: Gefahr seit 1992 bekannt

Es handelt sich jedoch nicht um ein Problem, das nur ausländische AKWs betrifft, stellt Susanne Ochse klar. Auch in Deutschland gibt es Druckwasserreaktoren mit Isoliermaterial und Filtern, so dass die Wasserrückgewinnung für die Notkühlung verstopfen kann.

Dennoch wird das Ganze von der Kölner Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) gegenüber der Nachrichtenagentur AFP als latentes Problem bezeichnet, das in der Fachwelt bekannt sei. Experten suchten nach der wirtschaftlichsten Lösung, versucht man sich in Köln zu beruhigen.

Hier geht Wirtschaftlichkeit offensichtlich vor Sicherheit, kritisiert Ochse. Das Problem ist seit 1992 bekannt, aber die Reaktoren dürfen weiterlaufen, bis man eine billige Lösung gefunden hat. Das ist Kungelei zwischen Behörden und Betreibern auf Kosten der Sicherheit der Bevölkerung.

Dass es in deutschen AKWs in diesem Zusammenhang teilweise sogar noch düsterer aussieht, kam erst im April vergangenen Jahres heraus. Im Block A des Atomkraftwerkes Biblis hat man beim Bau vor über 28 Jahren Filter installiert, die viel kleiner sind als in der Genehmigung vorgeschrieben und damit noch schneller verstopfen dürften.

Auch die französischen Atomgegner des Sortir du Nucléaire geben sich mit den Unwahrscheinlichkeitshinweisen der Behörden nicht zufrieden. Schon ein leichtes Erdbeben könne alle Leitungen des Primärkreislaufs brechen lassen, warnen sie. Ein Szenario, das vor allem für das AKW Fessenheim im Elsass zutrifft.

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