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AKW-Sicherheit: Vernebelung als Placebo fürs Volk

Die Betreiber deutscher Atomkraftwerke, die Energiekonzerne E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW, haben sich mit dem Bundesumweltministerium auf Schutzmaßnahmen gegen Terroanschläge auf AKWs mit Verkehrsflugzeugen geeinigt. Nebel und Störsender sollen vor Terrorakten schützen.

Letzten Freitag wurde bekannt, dass die AKW-Betreiber bereit sind, neben Blitzvernebelungsanlagen auch Störsender auf den Betriebsgeländen zu installieren und zu unterhalten. Sie wollen damit satellitengestützte Anflüge von Verkehrsflugzeugen unterbinden, der Nebel soll den Anflug bei Sichtkontakt erschweren.

Geübte Piloten können Atomkraftwerke im Sichtflug ansteuern, indem sie sich an markanten Punkten in der Landschaft orientieren. Haben Terrorpiloten ein Atomkraftwerk einmal anvisiert, werden sie sich wohl kaum durch plötzlich um das Gebäude auftretenden Nebel vom Weiterflug abhalten lassen, kommentiert Thomas Breuer, Atomexperte von Greenpeace, die Einigung.

Die Vernebelungsstrategie ist bestenfalls Placebo fürs Volk, Breuer weiter. Herr Trittin und die Betreiber sollten wissen, dass der Sicherheitszugewinn minimal ist und im Falle eines Angriffs aus der Luft wahrscheinlich wirkungslos. Die einzige sichere Lösung zur Terrorabwehr ist die Abschaltung der Atomkraftwerke.

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