Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Abgeschaltet: Die AKW Kosloduj 1 und 2

Gerade noch rechtzeitig hat Bulgarien kurz vor dem Jahreswechsel begonnen, seine Hochrisikoreaktoren in Kosloduj abzuschalten. Am Dienstag wurden zwei der sechs Reaktoren abgeschaltet, die Blöcke drei und vier sollen bis Ende 2006 stillgelegt werden. Damit erfüllte Bulgarien eine Auflage der EU für den Beitritt zur Union.

Diese Druckwasser-Reaktoren, die nach der ältesten sowjetischen Bauart konstruiert sind und als extrem gefährlich eingestuft werden, hätten eigentlich bereits bis Ende 1997 vom Netz gehen sollen. Allerdings hatte Bulgarien es versäumt, rechtzeitig für eine alternative Stromversorgung zu sorgen. Die jetzt abgeschalteten Reaktoren lieferten bislang zehn Prozent des bulgarischen Strombedarfs.

Die Blöcke sollen jedoch nicht demontiert werden. Die bulgarische Regierung spekuliert auf eine Modernisierung der Uralt-Reaktoren, um sie anschließend wieder in Betrieb zu nehmen. Dem steht die im Westen vorherrschende Meinung entgegen, dass dieser Reaktortyp nicht gesichert werden kann. Unter anderem fehlt eine Schutzhülle, die im Fall eines Unfalls das Austreten von Radioaktivität verhindern kann, das Sicherheits- und Kontrollsystem ist fehlerhaft und es besteht in Notfällen keine ausreichende Kühlmöglichkeit. In Deutschland wurden die einzigen Reaktoren dieses Typs - die Blöcke Greifswald 1-4 - bereits kurz nach der Wende abgeschaltet. Sie galten bereits damals als nicht modernisierungsfähig. (hol)

Tags:

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Unequal Impact

Menschenrechtsverletzungen bei Frauen und Kindern nach dem Atomunfall im Kraftwerk Fukushima Daiichi. Report in englischer Sprache.

Mehr zum Thema

Wahnsinn bewiesen

Die Region um das AKW Fukushima ist immer noch hoch verstrahlt, allen Säuberungsaktionen zum Trotz, so der aktuelle Greenpeace-Bericht. Im Fokus: das Leid der Aufräumarbeiter.

Katastrophaler Wasserschaden

Der GAU von Fukushima ist längst nicht im Griff. Gewaltige Mengen kontaminierten Wassers aus der Anlage könnten in den Pazifik fließen – eine Geschichte menschlichen Versagens.

Sicherheit ist gutes Recht

Frankreichs AKW haben ernste Sicherheitsmängel; darauf machten Greenpeace-Aktivisten mit friedlichem Protest aufmerksam. Ein AKW-Betreiber zog vor Gericht – mit mäßigem Erfolg.