Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

4 Millionen Liter Atommüll ausgelaufen

Das Atommülllager im Hanford Nuclear Complex im US-Staat Washington soll gereinigt werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dabei zu einem Unfall kommt, liegt bei 50 Prozent. Dies befürchtet der Experte und Umweltberater der Regierung Clinton, Bob Alvarez im Wissenschaftsmagazin New Scientist. Das größte Umweltsäuberungsprojekt der Welt soll möglichst schnell umgesetzt werden. 2035, 35 Jahre früher als geplant, soll Hanford gereinigt sein.

In 177 unterirdisch gelagerten Tanks befinden sich 190 Millionen Liter flüssiger radioaktiver Abfall. Die Tanks stammen zum großen Teil aus der Zeit des Kalten Krieges und werden zusehends unzuverlässiger, so Alvarez. Ein Drittel der Tanks sei leck, so dass schon knapp vier Millionen Liter radioaktiven Mülls ausgelaufen seien. Diese verseuchen das Grundwasser und den Columbia River. Fische aus dem benachbarten Fluss sind vermutlich verantwortlich für den Tod tausender amerikanischer Ureinwohner. Die unhaltbaren Zustände in Hanford sind ein Beispiel dafür, wie sehr die langfristigen Gefahren der Atommüllentsorgung unterschätzt werden, sagt Susanne Ochse, Atomexpertin bei Greenpeace.

Der Zeitdruck birgt ebenfalls eine Gefahr, befürchtet der Experte. Im Oktober 2003 wurde in einem bereits als sicher eingestuften Tank eine solche Konzentration an Wasserstoff festgestellt, dass er brennbar geworden war. Seit 1991 gab es mindestens acht Zwischenfälle, darunter auch zwei Dampfexplosionen. Alvarez geht davon aus, dass letztendlich fast ein Fünftel der riesigen Menge Radioaktivität auf dem Gelände in Hanford bleiben wird. Und damit auch sechsmal mehr Cäsium-137 und über hundertmal mehr Strontium-90 als bei dem Störfall im Atomkraftwerk Tschernobyl 1986 in der Ukraine.(agi)

Tags:

Weiterführende Publikationen zum Thema

Absage an die Atommüll-Kommission

Greenpeace hat gemeinsam mit der Anti-Atom-Organisation ‚Ausgestrahlt‘ und der 'Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg‘ die Teilnahme an der Anhörung der Atommüllkommission am 3. November 2014 in einem Brief abgesagt.

Mehr zum Thema

Protest ist kein Verbrechen

Rashid Alimov ist Greenpeace-Experte für Atomkraft – und stellt sich gegen die deutschen Uranexporte nach Russland. Deswegen wurde er gestern vorübergehend festgenommen.

Atommüll beim Namen nennen

Uranhexafluorid ist ein Abfallprodukt der Urananreicherung – und bei genauer Betrachtung Atommüll. Warum gehen dann wieder unrechtmäßig Transporte von Deutschland ins Ausland?

Rückkehr ins Ungewisse

Japans Versuche, die Region um das AKW Fukushima von Strahlung zu säubern, sind gescheitert, das zeigt ein Greenpeace-Report. Trotzdem sollen die Evakuierten zurück in ihre Häuser.