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Gegen das Vergessen

Greenpeace bringt Zeitzeugen nach Fukushima

Zum dritten Jahrestag der Atomkatastrophe in Fukushima hat Greenpeace Zeitzeugen aus fünf Ländern in die betroffenen japanischen Gebiete eingeladen. Die Zeugen aus Deutschland, Frankreich, Indien, Polen und Süd-Korea trafen vor Ort auf fünf Opfer des Atomdesasters aus den Orten Iitate, Date, Futaba, und Tamura, die ihnen von ihrer Situation nach dem GAU berichteten. Alle fünf Betroffenen wurden aus ihren Gemeinden evakuiert.

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Auch drei Jahre später ist ihre Hoffnung auf eine Rückkehr in die Heimat gering. Die größte Sorge der Menschen ist jedoch, dass ihre Probleme und Bedürfnisse weiterhin – vor allem von der japanischen Regierung - ignoriert werden. Die Betroffenen kämpfen seit langem aktiv dafür, endlich gehört zu werden. Zwei von ihnen reisten bereits in andere Länder, um ihre Geschichten zu erzählen.

„Unsere Absicht ist es, das Leid und die schändliche Situation der Fukushima-Opfer öffentlich zu machen“, sagt Hisayo Takada, Greenpeace Klima-und Energieexpertin in Japan. „Auf der Reise konnten wir aus erster Hand sehen, dass die Behauptung der Regierung, die Katastrophe sei vorbei, falsch ist. Die Opfer leiden nicht durch eigenes Verschulden und werden dennoch vergessen. Das macht ihre Probleme noch schlimmer.“

Die internationalen Zeitzeugen waren bekannte Anti Atom-Aktivisten. Aus Deutschland nahmen Martin Donat, Vorsitzender der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg, und der Kernphysiker und Greenpeace Atomexperte Heinz Smital an der Reise teil. „Es ist erschütternd zu sehen, dass die Menschen sich überhaupt nicht auf staatliche Stellen oder die Regierung verlassen können“, sagt Martin Donat. „Sie sind auf sich selbst gestellt und benötigen dringend Unterstützung von Nichtregierungsorganisationen. Evakuierte sollen in ihre verseuchten Dörfer zurückkehren, die angeblich dekontaminiert wurden. Dies ist aber nicht ausreichend passiert.“

Unter den internationalen Gästen ist auch der Geschäftsführer von Greenpeace Frankreich, Jean-François Julliard. „Wir sind nach Fukushima gekommen, um die Menschen vor Ort zu treffen und uns ihre Lebensgeschichten anzuhören. Als Umweltorganisation ist es unsere Pflicht, im Gespräch zu bleiben über das, was in Fukushima geschehen ist“, sagt Julliard. „Viele Menschen hätten niemals geglaubt, dass so was passieren kann. Ihnen wurde gesagt, Kerntechnik sei zu einhundert Prozent sicher. Ich werde François Hollande auffordern, endlich die Energiewende umzusetzen“, so der französische Greenpeace-Chef.

In der frühen Phase der Atomkatastrophe mussten mehr als 150.000 Menschen aus den betroffenen Regionen evakuiert werden. Opfer des Unfalls berichten, dass sie wochenlang hohen Strahlungswerten ausgesetzt waren, ohne dass die Regierung Informationen zur Evakuierung weitergab. Stattdessen habe diese Fehlinformationen und Beschwichtigungen verbreitet.

Inzwischen behauptet die Regierung, viele Opfer seien in der Lage nach Hause zurückzukehren. Der Grund dafür ist, dass so Ausgleichszahlungen gespart werden sollen. Über 100.000  Menschen wohnen noch immer in Notunterkünften. Die Opfer fordern ein Ende der Atomkraft in Japan und hoffen, dass die nachfolgenden Generationen das Leid ihrer Gemeinden nicht mehr miterleben müssen.

Greenpeace verlangt das Ende der Atomkraft weltweit. Hinter der Katastrophe von Fukushima steckt eindeutig menschliches Versagen. Schwache Vorschriften und unverbindliche Aussagen von Politikern, Aufsichtsbehörden und der Atomindustrie haben das Atomdesaster unterstützt. Besonders alarmierend ist die Tatsache, dass Sicherheitsprobleme, die falsche Standortwahl der Atomanlage Fukushima, der unwirksame Tsunami -Schutz und fehlerhafte Reaktoren allesamt ignoriert wurden.

 

Lesen Sie auch unseren Blogbeitrag Fukushima-Opfer kämpfen gegen das Vergessen.

 

 

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