Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Japanisches Gericht untersagt den Betrieb der Atomreaktoren Takahama 3 und 4

Ein grosser Schritt nach vorne

Meilenstein für Japans Bevölkerung – und den Ausstieg des Landes aus der Atomenergie: Immerhin zwei von vier Risikomeilern zog ein Gericht mit sofortiger Wirkung aus dem Verkehr. 

  • /

Japans Rückkehr zur Atomkraft birgt unverantwortliche Risiken: Die Sicherheitsmängel in Atomkraftwerken wie Sendai und Takahama sind bekannt, etliche Fragen ungeklärt. Nun hat sich ein japanisches Gericht endlich auf die Seite der verunsicherten Bevölkerung geschlagen: Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes wurde eine einstweilige Verfügung gegen den Betrieb eines laufenden Atomkraftwerks ausgesprochen.

Das Gericht in der Shiga-Präfektur befand zwei Reaktoren in Takahama als nicht sicher für den Betrieb: Das heißt, Takahama 3 wird schnellstmöglich abgeschaltet, Takahama 4, dessen Neustart vor wenigen Tagen fehlschlug, geht gar nicht erst wieder ans Netz. Von vier Atommeilern, die nach Absicht der japanischen Regierung inzwischen wieder Strom liefern sollten, ist die Hälfte aus Sicherheitsgründen ohne Betriebserlaubnis: eine erschreckende Bilanz.

Schlag gegen die Atomindustrie – und Premierminister Abe

„Das ist ein Meilenstein für Menschen in ganz Japan – und ein verheerender Schlag gegen die Atomindustrie und die Politik von Premierminister Shinzo Abe“, sagt Hisayo Takada, stellvertretende Kampagnenleiterin von Greenpeace Japan.

Der Entscheidung gingen schwerwiegende Probleme in Takahama voraus: Nur drei Tage nach dem Neustart der Reaktoreinheit 4 musste aufgrund unvorhergesehener Probleme eine Notabschaltung vorgenommen werden. Bereits davor stand das Kraftwerk wegen Versäumnissen im Brandschutz und der Verwendung besonders riskanter Mischoxid-Brennstäbe (MOX) in der Kritik. Eine Woche bevor Takahama wieder anfuhr, wurde ein radioaktives Leck gefunden. Das Kraftwerk bleibt nun abgeschaltet, hoffentlich für immer.

Diese Entscheidung ist ein weiterer Paukenschlag nur wenige Tage nachdem drei Ex-Manager von Fukushima wegen Fahrlässigkeit in Zusammenhang mit der Atomkatastrophe angeklagt wurden. Der Wind scheint sich endlich zu drehen. „Das Gericht sendet eine klare Botschaft an die Industrie“, so Takada. „Atomkraft hat keinen Platz in der Zukunft der japanischen Energieversorgung.“

Tags:

Weiterführende Publikationen zum Thema

Fukushima-Report 2020

Die Strahlungsmessungen in der Region Fukushima aus dem Herbst 2019 zeigen: Unwetter wie der Taifun Hagibis führen zum Auftreten neuer radioaktiver Hotspots. Auch in den Gebieten, in denen im Sommer 2020 die Olympiade stattfinden soll.

Fukushima-Report: Kinder und Arbeiter

Kinder und die Dekontaminierungsarbeiter leiden besonders unter der radioaktiven Strahlung in Fukushima. Sie ist auch acht Jahre nach dem Atomunfall in Japan noch viel zu hoch.

Zur Kampagne

Von Fukushima in eine erneuerbare Zukunft

Nach dem verheerenden Atomunfall im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi muss Japan umdenken: Die Bevölkerung will weg von der gefährlichen Nuklearenergie hin zu Wind und Sonne. Doch für die Regierung wiegen die Interessen der Atomindustrie schwerer.

Alle Artikel zu dieser Kampagne

Mehr zum Thema

Gefahr unberechenbar

Neue Messungen in Japan zeigen: Nach Unwettern gibt es neue radioaktive Hotspots. Das hat auch Auswirkungen auf die Olympiade, die im Sommer 2020 in Fukushima stattfinden soll.

Nicht normal

Japan will mit der Olympiade 2020 das Leben nach Fukushima zurückholen. Atomexperte Heinz Smital war in der Region. Ein Interview über gefährliche Pläne dort – und in Deutschland.

Wahnsinn bewiesen

Die Region um das AKW Fukushima ist immer noch hoch verstrahlt, allen Säuberungsaktionen zum Trotz, so der aktuelle Greenpeace-Bericht. Im Fokus: das Leid der Aufräumarbeiter.