Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Die Wolke: Ein Interview mit Hauptdarsteller Franz Dinda

Der 1983 geborene Franz Dinda steht seit seinem 17. Lebensjahr erfolgreich vor der Kamera. Ab 16. März, wenn der Film Die Wolke in die Kinos kommt, können wir ihn in der Hauptrolle des Elmar sehen. Wie Franz Dinda diese Rolle sieht und wie er zur Atomkraft steht, hat er im folgenden Interview mit Greenpeace geschildert.
  • /

Greenpeace: Was hat Dich an der Rolle des Elmar gereizt?

Franz Dinda: Elmar ist eine Figur mit interessanten Spannungen. Äußerlich leise und zurückhaltend tobt in ihm die Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit, von der er sich aber andauernd abzulenken versucht. In Hannah findet er die Antwort auf alle seine Fragen, was ihn umso entschlossener für diese Beziehung kämpfen lässt. Ich liebe Rollen wie diese, da sie aus Überzeugung leidenschaftlich, naiv und wahrhaftig agieren. Das sind auch für mich wichtige Ideale ...

Greenpeace: Wie geht Deine Generation mit dem Thema Atomkraft um?

Franz Dinda: Gar nicht, würde ich behaupten. Der Strom kommt aus der Steckdose - fertig. Es ist eben einfach, ein solches Thema zu verdrängen, da wir die Bedrohung niemals bewusst erlebt haben. Diese Ignoranz diesem Thema gegenüber ist uns aber nicht wirklich vorzuwerfen. Schuldig sollten sich jene fühlen, die das Thema totschweigen und unsere Naivität ausnutzen. Denn sie haben für die kommenden Generationen mitentschieden, als sie JAzur AKW-Nutzung gesagt haben. Ich sehe es schon als unsere Aufgabe an, diesen Jahrhundertfehler auszubügeln, indem wir die Weichen in Richtung regenerative Energieerzeugung stellen und im Zweifelsfalle auch einfach mal nachhaken.

Greenpeace: Welche Meinung hattest Du vor den Dreharbeiten zur Atomkraft?

Franz Dinda: Ich bin nicht auf die Straßen gegangen, um für AKWs zu werben, aber ich bin eben auch nicht dagegen vorgegangen. Wie alle anderen in meinem Alter hatte ich aber vor allem eins: Keine Ahnung!

Greenpeace: Wie denkst Du heute über Atomkraft?

Franz Dinda: Bei einer weltweiten Supergau-Wahrscheinlichkeit von 40 Prozent innerhalb der nächsten 40 Jahre muss jeder kapieren, warum er nicht wegsehen darf. Und wir müssen verstehen, dass die Industrie und somit auch ein Großteil der jetzigen Regierung nicht daran interessiert sind, an der momentanen Energiesituation konsequent etwas zu ändern. AKWs sind Goldesel. Doch um welchen Preis? Uran ist endlich und die aktuelle Situation im Irak und Iran veranschaulicht auf dramatische Weise, was uns noch bevorstehen könnte. Wir und unsere Kinder müssen die etwaigen Konsequenzen ertragen - nicht Herr Koch, Herr Glos oder der Herr Stoiber.

Greenpeace: Im Jahr des Reaktorunfalls in Tschernobyl warst Du drei Jahre alt, hat der Unfall noch irgendeine Bedeutung für Dich?

Franz Dinda: Er beweist auf erschreckende Art und Weise, wie fehlbar der Mensch ist und dass Unfälle aufgrund menschlichen Versagens eben nicht auszuschließen sind. Dieses Risiko dürfen wir nicht eingehen!

Greenpeace: Welche Verantwortung hat Deiner Meinung nach die Politik?

Franz Dinda: Keine, die wir nicht gewählt hätten beziehungsweise keine, die wir nicht abwählen könnten.

Greenpeace: Welche Verantwortung haben die Energieversorger?

Franz Dinda: Natürlich kann man Unternehmern nicht vorwerfen, Gewinn machen zu wollen. Doch um welchen Preis? Sie sind für die Blockierung einer zukunftgerechten regenerativen Energieversorgung verantwortlich. Nur für sie kann sich die Verzögerung lohnen. Moral und Shareholder Value scheinen unvereinbar zu sein. Das macht mich traurig. Dass diese fünf Konzerne aber derart kapitalfixiert mit unserer Zukunft spielen, macht mich wütend. Meine Strafe: Ich beziehe meinen Strom jetzt von Greenpeace Energy.

Tags:

Mehr zum Thema

Strahlendes Erbe

Tschernobyl und Fukushima haben bewiesen, dass Atomkraft technisch nicht beherrschbar ist. Noch viele Generationen werden mit dem Erbe dieser Technologie zu kämpfen haben