Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Der Mauerbau

Im ganzen Land werden die oberirdischen Zwischenlager für nuklearen Müll nachgerüstet. Wie sicher sind sie? Ein Artikel aus dem Greenpeace Magazin 4/2012.

  • /

Noch im Jahr 2012 sollen alle 16 atomaren Zwischenlager in Deutschland hinter zehn Meter hohen und 85 Zentimeter dicken Stahlbetonmauern verschwinden. Diesen Mauerbau hat das Bundesumweltministerium angeordnet, die Kosten in Millionenhöhe sollen die AKW-Betreiber tragen. Die Maßnahmen zum Schutz gegen Störmaßnahmen oder sonstige Einwirkungen Dritter, die sogenannten Sicherungsmaßnahmen, sind regelmäßig zu überprüfen und umfassen insbesondere auch den Schutz gegen terroristische Angriffe, heißt es zur Begründung aus dem Umweltministerium. Der Optimierungsbedarf bestehe aufgrund neuer Erkenntnisse über Tatmittel und Täterverhalten. Alles weitere bleibt mit dem Verweis geheim im Verborgenen.

Bei den oberirdischen Zwischenlagern handelt es sich um dünnwandige Lagerhallen, die in den vergangenen Jahren an allen AKW-Standorten eingerichtet wurden. Darüber hinaus gibt es zentrale Zwischenlager in Gorleben, Ahaus und Lubmin. In all diesen Gemeinden werden nun im Eilverfahren und ohne nähere Begründung Bauanträge durchgedrückt. An den bayerischen Standorten Gundremmingen und Isar II bei Landshut rücken schon die ersten Kräne und Bagger an. Und überall stellen sich die gleichen Fragen: Waren die oberirdischen Zwischenlager für atomaren Müll bisher nicht sicher? Und welchen Schutz bieten diese Mauern?

Der Sprecher der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg Lennart Müller vermutet, dass die terroristische Gefahr nur vorgeschoben wird: Das ist Augenwischerei.

Tatsächlich gehe es vielmehr darum, durch die Abschirmung die Strahlenemissionen zu verringern. Im Vorfeld des jüngsten Castor-Transports hatte die offizielle Strahlenmessstelle am Zwischenlager in Gorleben erhöhte Strahlungen gemessen. Greenpeace warnte deshalb vor einer Überschreitung des Jahresgrenzwertes.

Heinz Smital, Atomexperte bei Greenpeace, findet es erstaunlich, dass die Bundesregierung so offen eine terroristische Anschlagsgefahr einräumt und damit eingesteht, wovor Umweltschützer schon lange warnen: dass die Lager nicht sicher sind. Den Mauerbau als Schutzmaßnahme hält er für genauso wenig sinnvoll wie Vernebelungskanonen, die vor ein paar Jahren an einigen Meilern installiert wurden, um diese vor Angriffen aus der Luft zu schützen. Vernebelung macht doch nur Sinn, um unbemerkt die Position zu ändern, sagt Smital, aber Atomkraftwerke können nun mal nicht weglaufen.

Für ebenso wenig hilfreich hält er den jetzt angeordneten Mauerbau, denn die Stahlbetonwände würden gegen einen Angriff von oben wenig ausrichten. Zudem könnten panzerbrechende Waffen auch dieses Material durchdringen. Die Mauern, so sein Resümee, böten einzig den Politikern Schutz - vor dem Vorwurf der Untätigkeit.

Das aktuelle Greenpeace Magazin 4/2012 mit vielen weiteren Umweltnachrichten und -reportagen ist bundesweit im Handel erhältlich.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Absage an die Atommüll-Kommission

Greenpeace hat gemeinsam mit der Anti-Atom-Organisation ‚Ausgestrahlt‘ und der 'Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg‘ die Teilnahme an der Anhörung der Atommüllkommission am 3. November 2014 in einem Brief abgesagt.

Mehr zum Thema

Rückkehr ins Ungewisse

Japans Versuche, die Region um das AKW Fukushima von Strahlung zu säubern, sind gescheitert, das zeigt ein Greenpeace-Report. Trotzdem sollen die Evakuierten zurück in ihre Häuser.

Der Wahnsinn in Tüten

Atommüll, der sich im Wald stapelt, Atomtransporte auf den Straßen – das Leben rund um Fukushima ist nicht normal. Jetzt reagiert sogar die UN und verlangt von Japan Aufklärung.

Ein klares Jein

An potenziellen Atommüll-Endlagern darf (fast) nicht gebohrt, gegraben, gehämmert werden, so ein neues Gesetz. Nur Gorleben bleibt eine Ausnahme – eine Greenpeace-Klage scheiterte.