Aktionstag in 36 deutschen Städten für nachhaltigen Konsum

Gutes Leben, selbstgemacht

Deutschlandweit zeigten Greenpeace-Aktivisten am Wochenende, wie verantwortungsvoller Konsum geht. Und dass das nichts mit Verzicht zu tun haben muss.

  • /

Mehr tun, um weniger Müll zu machen: Darum ging es beim Tag des guten Lebens für alle an diesem Samstag. 36 Greenpeace-Gruppen haben sich deutschlandweit an Aktionen beteiligt, die sich kreativ gegen die alltägliche Verschwendung von Konsumgütern richteten. Aufklärend, anleitend, dabei mit viel Spaß und Mut zum Selbermachen.

Auf Foodswap-Parties wie in Berlin und Kassel tauschten die Teilnehmer Selbstgemachtes aus der Küche aus: Pestos, Chutneys, Marmeladen, Brot, so ziemlich alles war möglich, was sich gut transportieren lässt. Die Idee dahinter: Man bringt fünf Portionen mit, eine ist zum Probieren, vier werden getauscht. Am Ende geht die Rechnung so auf, dass alle, die teilnehmen, vier andere Gerichte mit nach Hause nehmen können. Das Konzept hilft zum einen, verschwendungsfrei zu kochen, weil bei größeren Portionen häufig weniger Abfall anfällt – außerdem gibt es mit wenig Aufwand mehr Vielfalt auf dem Teller.

Nachhaltig dank Roggenmehl und Bienenwachs

Auch in Hamburg ging es ums Selbermachen: Im Atrium des Greenpeace-Büros in der Hafencity gab es mehrere Workshops, die Vorschläge für das „gute Leben“ machten – ein Leben, in dem Ressourcen klug genutzt werden und es dabei an nichts fehlt. Zum Beispiel, indem man mit einfachen Zutaten aus der Drogerie ein Waschmittel selbst herstellt – oder noch einfacher aus selbstgesammelten Kastanien. Andere zeigten, wie aus leeren Tetra-Paks ein Portemonnaie entsteht. Manches ist den Besuchern bekannt, anderes überraschend: Mit Roggenmehl kann man sich die Haare waschen? Und Stoffreste und Bienenwachs sind ein guter Ersatz für Frischhaltefolien?

Wer es lieber theoretisch als praktisch mochte, hörte in die Vorträge hinein: Unter anderem sprachen die Betreiber von Lockengelöt darüber, wie man sinnvoll und lustig upcycelt. Marlena vom Blog „ZeroWastePlantPower“ zeigte, wie im Alltag ganz nebenbei Müllvermeidung zu meistern ist. Zudem gab es Wissenswertes zum Thema Gemeinwohl-Ökonomie, und wie in der Werbung Bilder manipuliert werden.

Trotz Regens fanden viele den Weg in die Hongkongstraße – und blieben lange, freut sich Greenpeace-Sprecherin Viola Wohlgemuth. „Wir hatten Jung und Alt da, Familien mit Kindern, aber auch die Leute aus der Maker-Bewegung.“ Aktivisten also, für die Selbermachen wieder hip ist – ganz ohne Öko-Klischees und vernetzt übers Internet. „Da saßen dann die Jungs und haben zum ersten Mal gestrickt.“

Verschwendung stoppen!

Wie wichtig es ist, verantwortungsvoll mit Alltagsgütern umzugehen, zeigt sich besonders im Vergleich mit denen, die es nicht tun. Eine aktuelle Recherche von ZDF und Wirtschaftswoche, bei der Greenpeace einbezogen war, belegte, dass der Platzhirsch im Onlinehandel Amazon im großen Stil Retouren vernichtet: Elektronikartikel, Kleidung, Möbel und so weiter – durch das gesamte Sortiment. Zeugen, die in den Logistikzentren arbeiten, sprechen davon, täglich Waren im Wert von geschätzt 23.000 Euro in den Schredder geworfen zu haben – weil in der verdrehten Wirtschaftskalkulation von Onlinekaufhäusern die Entsorgung billiger ist als die Lagerung.

Das muss aufhören. Unterstützen Sie unsere Forderung an Bundesumweltministerin Svenja Schulze nach einem Zerstörungsverbot für neuwertige und gebrauchsfertige Waren! Und bis es so weit ist: Sachen selber machen.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Zur Kampagne

Alle Artikel zu dieser Kampagne

Mehr zum Thema

Raus aus den roten Zahlen

Ab heute lebt die Welt über ihre Verhältnisse. Doch gegen Verschwendung und unnötigen Konsum lässt sich etwas tun, zeigen bundesweit Greenpeace-Gruppen am Erdüberlastungstag.

Eine ganz große Null

Seit sieben Jahren arbeitet Greenpeace intensiv daran, mit der Modebranche ihre Textilien zu entgiften. Mit Erfolg! Doch nachhaltige Mode bedeutet nicht nur „ungiftig“.

Tipptopp – und für die Tonne

Für Amazon rechnet es sich, neuwertige Ware aus Retouren zu vernichten. Wie lässt sich solche Verschwendung erklären? Greenpeace-Expertin Viola Wohlgemuth gibt Antworten.