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Seveso - Opfer des Chemikalienwahnsinns

Am Sonnabend jährt sich zum 28-sten Mal die Giftkatastrophe von Seveso. Das Unheil brach in der Nacht zum 10. Juli 1976 über die italienische Stadt nördlich von Mailand herein. Durch das geborstene Sicherheitsventil einer Chemiefabrik der Kosmetikfirma Givaudan entwich explosionsartig eine Wolke von Chemikalien, darunter das hochgiftige Dioxin. Südostwind trieb die Giftwolke über die angrenzenden Gemeinden.

Die ersten Folgen zeigten sich wenige Stunden nach dem Unglück: Ärzte behandelten Kinder mit Hautverletzungen, die an Verbrennungen erinnerten. Fünf Tage später begann ein Massensterben von Kleintieren wie Vögeln und Kaninchen. Erst zu diesem Zeitpunkt leiteten die Behörden eine Untersuchung ein. Ein Chemiker erkannte Dioxin als Ursache. Rund 750 Menschen aus der nächsten Umgebung der Fabrik wurden evakuiert.

Von dem Unfall waren rund 37.000 Menschen betroffen. Schätzungsweise 4 Prozent der Nutztiere in der Umgebung starben. Rund 80.000 Tiere wurden notgeschlachtet, damit ihr Fleisch nicht in die Nahrungskette gelangte. Knapp 200 Fälle der so genannten Chlorakne traten auf, einer schweren Hauterkrankung, die mit Dioxin in Verbindung gebracht wird. Die Häuser von 40 Familien mussten abgerissen, 40 Zentimeter Boden abgetragen und deponiert werden. 100 Hektar Land waren auf Jahre hinaus verseucht. Die Zahl der Totgeburten und Missbildungen stieg an. (sit)

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