Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Giftiger Klärschlamm ausgetreten

Schmutzige Aluminiumproduktion in Westungarn

Auf dem Gelände der Aluminiumfabrik Ajkai Timföldgyár nahe der Ortschaft Kolontar in Westungarn ist ein Damm geborsten. Dadurch flossen rund eine Million Kubikmeter eines schwer ätzenden und gesundheitsschädlichen Schlamms aus, der sich über Ortschaften und Felder verteilte. In drei westungarischen Bezirken (Vas, Veszprém und Gyor-Sopron) wurde der Notstand ausgerufen. Greenpeace hat ein Expertenteam von Greenpeace Ungarn, Österreich und Slowakei zum Unfallort geschickt.

  • /

Die giftigen Substanzen überschwemmten fruchtbares Ackerland, das dadurch zerstört wurde. Die Vegetation und Trinkwasserversorgung in der Region sind gefährdet. Durch Wind kann der getrocknete rote Schlamm in die nahegelegenen Ortschaften transportiert werden.

Ungarische Umweltschutzorganisationen hatten bereits vor Jahren im Zuge der Privatisierung auf die schwachen Vereinbarungen zu Unternehmens-Verantwortungen im Falle eines Unfalles hingewiesen.

Keine Notfallpläne vorhanden

Zoltan Illés - Staatssekretär für Umwelt - bestätigte, dass das Unternehmen gar keine Notfallpläne gehabt habe. Sie müssten deshalb die Kosten dieser Katastrophe übernehmen - sollte das nicht möglich sein, werde man sich an den ungarischen Staat und die EU wenden.

Die stark giftige Verschmutzung reicht bis an den Fluss Marcal.Wann die Verschmutzung die Raab erreichen wird ist noch ungewiss. Mit allen Kräften muss versucht werden, die Verschmutzung vorher zu stoppen.

Für Ungarn ist das nun schon die zweite Gift-Katastrophe innerhalb von zehn Jahren. Im Jahr 2000 brach ein Damm einer australischen Gold-Minen-Gesellschaft und entließ 100 000 Kubikmeter Zyanid-Schlamms in den Fluss Tisza. Die aktuelle Katastrophe ist noch zehnmal größer.

Bis Dienstag Mittag starben vier Menschen, 70 weitere Menschen werden in Krankenhäusern behandelt.

Der Rotschlamm ist ein Nebenprodukt der Aluminiumproduktion. 60 Millionen Tonnen giftigen Schlamms werden in Ungarn gehortet - pro Jahr steigt der Betrag um eine Million Tonnen.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Schleichendes Gift

Wenn Verbote zu spät kommen: Große Teile der weltweiten Orca-Bestände stehen vor dem Aussterben. Schuld ist ein Schadstoff, der seit fast 15 Jahren auf der Schwarzen Liste steht.

Zu viel, zu schnell

Der Modekonzern H&M sitzt auf Ladenhütern im Milliardenwert und weiß nicht wohin damit. Die Entsorgung erfolgt oft auf fragwürdigem Weg, berichten ZDF und Wirtschaftswoche.

Gutes Leben, selbstgemacht

Deutschlandweit zeigten Greenpeace-Aktivisten am Wochenende, wie verantwortungsvoller Konsum geht. Und dass das nichts mit Verzicht zu tun haben muss.