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Russische Regierung opfert den Baikalsee

Die erste neue Verordnung des Jahres 2010 in Russland hat es in sich: Die russische Regierung hat die Wiedereröffnung einer umstrittenen Papier- und Zellstofffabrik am Ufer des Weltnaturerbes Baikalsee erlaubt. Das Werk war 2008 wegen Umweltbedenken geschlossen worden. Darüber hinaus dürfen in Zukunft auch alle Arten von Müll und Giftabfällen in der Region um den See herum deponiert oder verbrannt werden.

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Die Zellstofffabrik Baikalsk Pulp And Paper Mill (BPPM) ist hauptverantwortlich für die Verschmutzung des Baikalsees. Rund vier Jahrzehnte lang leitete sie dort ihre giftigen Abwässer ein - lange Zeit sogar ungefiltert. Greenpeace und andere Umweltverbände haben jahrelang unter schwierigen politischen Bedingungen für das Kronjuwel Russlands gekämpft. Nicht zuletzt diesem Einsatz ist es zu verdanken, dass der Baikalsee 1996 zum Weltnaturerbe ernannt wurde. Dieser Titel steht jetzt auf dem Spiel.

Die erneute Zulassung der BPPM erfolgt ohne zeitliche Begrenzung, ohne Auflagen hinsichtlich der Menge und der Art der eingeleiteten Substanzen. Die russischen Greenpeace-Experten sind überzeugt, dass damit kurzfristige Interessen der Fabrikeigentümer befriedigt werden sollen. In früheren Zeiten war die Stadt Baikalsk eng mit dem Werk verbunden. Viele der Einwohner verdienten sich dort ihren Lebensunterhalt.

Das hat sich geändert. Die letzten Jahre der Fabrik waren gezeichnet von wirtschaftlichen und ökologischen Problemen. Veraltete Produktionsmittel, das Damoklesschwert der Schließung, regelmäßige Verzögerungen bei den Gehalts- und Abgabenzahlungen machten das Werk zu einem unzuverlässigen Kandidaten. Längst haben die Menschen sich nach anderen Arbeitgebern umgesehen. Die meisten haben eine Anstellung gefunden. Als die Schließung dann tatsächlich erfolgte, blieb der Entrüstungssturm in der Bevölkerung, mit dem die BPPM-Eigentümer immer gedroht hatten, aus.

Inzwischen wird die Zukunft der Region im Tourismus gesehen. Die Voraussetzungen dafür sind hervorragend. Der Baikalsee ist in seiner Art einzigartig. Er ist der größte Süßwassersee der Welt und über 1.600 Meter tief. Sein Wasserinhalt umfasst zwanzig Prozent der weltweiten Süßwasserreserven. Mit einer Fläche von 31.000 Quadratkilometern ist er etwa so groß wie Belgien. Er ist zudem Heimat der Baikalrobbe, die es nirgendwo sonst gibt. Wie die Robben einst vom offenen Meer zu diesem Binnensee gelangt sind, weiß bis heute niemand.

Tourismus und nachhaltige Entwicklung vertragen sich nicht mit dem, was die Regierung mit Erlass Nr. 1 in Gang gesetzt hat. Greenpeace hofft nun auf den russischen Präsidenten Dimitri Medwedew. In einem offenen Protestbrief fordern sie ihn auf, sich für den Schutz des Sees einzusetzen. Der Brief kann von jedem unterschrieben und per E-Mail an Medwedew gesendet werden.

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