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Rußfilter: Autobauer verschleiern Problem

Greenpeace weist die Vorwürfe zurück, die der Verband der Automobilindustrie (VDA) am Mittwoch in dem Konflikt um Dieselrußfilter für deutsche PKW verbreitet hat. Der Verband erwecke den Eindruck, als würden die deutschen Autohersteller konsequent und zügig gegen die gefährlichen Partikel in den Dieselabgasen vorgehen.

Doch das geschieht nur aufgrund von Zwang: Wegen einer Vorgabe der EU (Euro 4) sind Filter bei großen Modellen unausweichlich, da diese die Abgas-Norm ab dem Jahr 2005 sonst nicht erreichen würden. Die kleineren und zahlreicheren Dieselfahrzeuge wollen Hersteller wie DaimlerChrysler, BMW und Opel aber nicht serienmäßig mit Filtern ausstatten.

Die Autohersteller versuchen, das Problem zu verschleiern - damit die Verbraucher den Eindruck bekommen, sie würden etwas gegen Dieselkrebs unternehmen, sagt Greenpeace-Experte Günter Hubmann. Die paar Filter, die sie einbauen wollen, lösen das Problem nicht. Alle Käufer von kleineren Fahrzeugen sollen einen Aufpreis für einen Filter bezahlen - bei DaimlerChrysler beispielsweise 580 Euro. Die Hersteller handeln unverantwortlich und dreist, wenn sie Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit nur wahlweise wie Alufelgen anbieten.

Der französische Hersteller PSA bietet seit dem Jahr 2000 die Modelle Peugeot und Citroen serienmäßig mit Rußfilter an - ohne Mehrkosten für den Verbraucher. Greenpeace fordert die deutschen Autohersteller auf, alle Diesel-Neuwagen serienmäßig ohne Aufpreis mit Filtern auszustatten und ältere Fahrzeuge nachzurüsten.

Die Kritik des VDA an der hohen Zahl der durch Dieselruß verursachten Todesfälle ist unhaltbar: Greenpeace geht von 8.000 Dieselrußtoten pro Jahr aus, die das Umweltprognoseinstitut Heidelberg ermittelt hat. Die kritisierte Zahl von 14.000 Opfern stammt aus einer Studie, die das Umweltbundesamt in Auftrag gegeben hatte. (mir)

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