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Ringen um Textilstandards

Die Bundesregierung will die Textilindustrie auf ökologische und soziale Standards verpflichten. Doch die wehrt sich.

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Erstmals hat sich ein Minister in Deutschland auf die Fahnen geschrieben, die Textilindustrie auf ökologische und soziale Standards zu verpflichten. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) kündigte publikumswirksam an, die Modebranche umzukrempeln. Denn in der Textilindustrie ist der Skandal der Normalfall. Menschenrechte werden mit Füßen getreten, Kinderarbeit wird billigend in Kauf genommen, Umweltschutz interessiert kaum jemanden. In der Produktion werden Unmengen von Gift eingesetzt, die die Umwelt belasten und die Gesundheit der Textilarbeiter angreifen.

Mit dem Start der Detox-Kampagne 2011 hat Greenpeace den Schleier über dieser dreckigen Produktion gelüftet und gezeigt, welches Elend im Namen der Mode angerichtet wird.

Mit seiner Ankündigung geht Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) jetzt einen Schritt in die richtige Richtung und diskutiert über strenge Standards, beispielsweise  giftfreie Produktion wie Greenpeace sie fordert. Doch hinter den Kulissen bringen Lobbyisten der Textilindustrie die Gespräche ins Stocken und bremsen, wo sie können. Die Wahrheit ist: Zurzeit kommt der Minister kaum voran. Es besteht die große Gefahr, dass seine Initiative total verwässert wird und Minister Müller in ein paar Wochen einen Erfolg verkaufen wird, der keiner ist. Mitte Oktober will er die Regeln vorstellen, auf die die Industrie verpflichtet werden soll. Sollten substanzielle Ergebnisse ausbleiben, wird der Minister hoffentlich ernst machen und die Hersteller per Gesetz zu sauberer Produktion zwingen. 

Greenpeace beobachtet die Verhandlungen sehr genau. Der Minister muss den Druck auf alle Beteiligten erhöhen. Darum müssen wir Verbraucher Minister Müller ermutigen und deutlich zeigen, dass wir saubere Mode wollen.  Wie viel Greenpeace mit der Hilfe von Millionen Verbrauchern erreichen kann, zeigt der Erfolg der Detox-Kampagne, die vor allem in China deutliche Verbesserungen erreicht hat. So hat die chinesische Regierung eine verschärfte Chemikaliengesetzgebung auf den Weg gebracht. 

Massive Probleme gibt es nicht nur in China, sondern beispielsweise auch Bangladesch, Mexiko oder Vietnam. Die Detox-Kampagne verpflichtet Firmen, ihre Produktion weltweit zu verändern. Greenpeace kontrolliert, ob es wirklich Verbesserungen gibt.

Greenpeace hat deshalb eine Mail-Aktion gestartet und fordert: „Wir wollen kein Gift in Kleidung, Herr Minister!“ Schreiben Sie an den Minister, damit der politische Druck auf die Industrie nicht nachlässt.

Dass globale Textilfirmen fortschrittlich sein können, zeigen die 20 Firmen, darunter Sportartikelhersteller wie Adidas, Fast-Fashion-Ketten wie Mango oder Nobelmarken wie Burberry,  die bereits eine Detox-Vereinbarung unterzeichnet haben.

Das Eisen glüht. Wir können jetzt etwas verändern und giftfreie Produktion zum politischen Programm machen. Machen Sie mit, damit wir uns im wahrsten Sinne des Wortes sauber anziehen können.

(Autorin: Kirsten Brodde)

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