Gegen Überkonsum, für Klimaschutz: erfolgreiches Finale der MAKE-SMTHNG-Week

Schaffen statt ins Geschäft

Die MAKE-SMTHNG-Week beweist jedes Jahr aufs Neue: Du hast mehr als du brauchst – und du kannst mehr als du denkst. Nicht zuletzt: das Klima schützen.

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„Alten Resten eine Chance“ sang die Berliner Band Element Of Crime einst (und meinte was anderes), der Titel wäre aber auch ein schönes Motto für die MAKE-SMTHNG-Week: Wie hier kreativ mit dem umgegangen wird, was in der Überflussgesellschaft vorschnell als überflüssig gilt, gibt Mut und inspiriert. Siebdruck macht aus ausgemusterten Klamotten neue Lieblingsteile, manchmal verlängert ein winziges Ersatzteil die Lebenszeit eines zickenden Mobiltelefons um Jahre.

In rund 50 deutschen Städten fanden in der vergangenen Woche über 160 Veranstaltungen statt, inklusive einer zweitägigen Abschlussveranstaltung in der Hamburger Greenpeace-Zentrale, die ihren Besucherinnen und Besuchern stets dasselbe mit auf den Weg gaben: Mach was! Denn das ist ziemlich einfach, macht Spaß und schafft Bewusstsein. Wer begriffen hat, wie einfach Wachstücher herzustellen sind, braucht in Zukunft keine Frischhaltefolie mehr zu kaufen.

„Makers For Climate“

Auch solche vermeintlich kleinen Verhaltensänderungen sind wichtig, wenn wir die Lebensgrundlagen unseres Planeten erhalten wollen. Sicher: Die Regierung muss Kohlekraftwerke abschalten und die Industrie zu einer CO2-neutralen Produktion finden – wir sitzen als Verbraucher*innen beim Klimaschutz allerdings ebenfalls an einem starken Hebel. „70% der globalen Treibhausgase werden durch den Konsum in den Städten produziert. Die MAKE SMTHNG-Week bietet einen kreativen Ausweg aus unserem verschwenderischen Konsumverhalten“, sagt Viola Wohlgemuth, Konsum-Expertin bei Greenpeace.

Darum stand die dritte MAKE-SMTHNG-Week unter dem Motto „Makers For Climate“. „Jede gestopfte Hose, jedes Urban-Gardening-Projekt, jedes reparierte Elektrogerät ist ein Beitrag zum Klimaschutz, weil dafür keine neuen Ressourcen verbraucht werden“, so Wohlgemuth. Maker sind Alltagsklimaschützer – was häufig übersehen wird. „Dabei kämpfen sie an der härtesten Front – nämlich in unserer Komfortzone, an unserem Verhalten. Dort, wo wir am wenigsten bereit sind, was zu ändern.“

Überkonsum ist kein gutes Geschäft

Wer sich ein bisschen schlau macht, für den ist MAKE SMTHNG das ganze Jahr. In größeren Städten finden sich zahlreiche Gemeinschaftsräume und Initiativen. Repair-Cafés bieten beispielsweise kostenlose Reparaturen an. Auch FabLabs und Maker Spaces gibt es in fast jeder größeren Stadt. FabLabs sind offene Werkstätten, die den Zugang zu Produktionsmitteln und modernen industriellen Produktionsverfahren ermöglichen. Wer im ländlichen Raum lebt, kann sich im Internet coachen lassen oder selbst eine Initiative gründen. Hunderte von Online-Communities haben sich rund um das Teilen, Upcyceln, Heimwerken und Reparieren gebildet.

Veranstaltungen wie die MAKE-SMTHNG-Week sind ein notwendiges Gegengewicht zu den Rabattschlachten von Black Friday und Cyber Monday: Viele Kund*innen packen sich in der Vorweihnachtszeit bei Onlinehändlern wie Amazon die virtuellen Warenkörbe voll, nicht etwa weil sie die Produkte bräuchten – sondern weil ihnen suggeriert wird, ein gutes Geschäft zu machen.

Schluss mit der Vernichtung neuwertiger Waren

Wenn das vermeintliche Schnäppchen sich letztlich doch als Fehlkauf erweist, nimmt es Amazon kulant zurück. Doch nicht jede dieser Retouren findet zufriedenere Abnehmer: Rund ein Drittel der zurückgesendeten Waren im Onlinehandel geht nicht wieder in den direkten Verkauf, das ist bekannt. Was wir auch wissen: Ein Teil davon wird verschrottet. Das ist mitunter für Händler günstiger als sie zu lagern oder – so will es das deutsche Steuerrecht – sogar zu verschenken.

Greenpeace fordert darum von der Bundesregierung ein Vernichtungsverbot neuwertiger Waren und vom Marktführer Amazon vollständige Transparenz darüber, wie viele neuwertige Waren im Schredder laden. Unterschreiben Sie unsere Petition – und werden Sie im Alltag Klimaschützer, indem Sie Dinge einfach selber machen. Wir zeigen Ihnen gerne, wie es geht. 

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