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Ozonsmog: Katalysatoren reichen nicht aus

Ein altes Gespenst ist wieder aufgetaucht. Jetzt quält es wieder Asthmatiker, Sportler, Kleinkinder und Rentner - und nicht nur die. Die Rede ist von Ozon. Es reizt die Schleimhäute, verursacht Augenbrennen, kann zu Asthmaanfällen, Herz- oder Kreislaufbeschwerden führen. Die Umweltpolitiker hatten es schon ad acta gelegt.

Durch die Katalysatoren in Autos hoffte man, das Reizgas los zu sein. Denn Katalysatoren verringern die Menge an Stickoxiden in den Abgasen. Unter dem Einfluss von starkem Sonnenlicht zerfallen die Stickoxide zu Stickstoffmonoxid und einem Sauerstoffatom, das gleich darauf mit dem Luftsauerstoff Ozon bildet. Dieses bodennahe Ozon hat nichts mit der Ozonschicht in der Stratosphäre zu tun, ohne die Leben auf der Erde nicht möglich wäre, weil sie das von der Sonne kommende ultraviolette Licht filtert.

Tatsächlich halten die Katalysatoren einen Großteil dieser Stickoxide zurück, sagt Gabriela von Goerne, Klimaexpertin bei Greenpeace. Aber eben nicht alles. Hinzu kommt, dass die Anzahl der Fahrzeuge in den letzten 10 bis 15 Jahren stark gestiegen ist und bei allein 44 Millionen PKW auf deutschen Straßen summieren sich schnell die Schadstoffmengen. Gar nicht zu reden von dem Treibhausgas Kohlendioxid, das beim Verbrennen von allen fossilen Energieträgern entsteht und zum Klimawandel beiträgt.

Ein Gesetz zum Schutz gefährdeter Personengruppen fehlt. Selbst wenn sie wollten, könnten Bundes- und Landesregierungen derzeit keine Fahrverbote erlassen. Das Sommersmog-Gesetz, das - viel zu hohe - Grenzwerte für Ozonkonzentrationen festlegte und bei Überschreitung Fahrverbote ermöglichte, ist 1999 ausgelaufen und nicht erneuert worden. Derzeit wird bei hohen Ozonwerten lediglich vor Aktivitäten im Freien gewarnt. Die rot-grüne Regierung war der Ansicht, mit Katalysatoren und Abgasnormen sei genug getan, um hohe Ozonkonzentrationen in Zukunft zu vermeiden.

Die Jahresmittelwerte der Ozon-Konzentrationen sprechen eine andere Sprache, sagt von Goerne. Sie steigen langsam an und mit jedem heißen Sommer werden wieder gesundheitsgefährdende Höchstwerte erreicht. Greenpeace verlangt deshalb von Umweltminister Trittin, für ein neues Sommersmog-Gesetz zu sorgen, mit dem auch Fahrverbote wieder möglich werden. Die Lösung kann wohl kaum heißen: Menschen in die Häuser, damit der Verkehr weiter fließt.

Greenpeace fordert:

  • Fahrverbote für alle PKW und Motorräder ohne Katalysator ab einer Ozonkonzentration von 120 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft - eine Konzentration, die derzeit in fast ganz Deutschlang erreicht wird
  • ab 180 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft muss ein generelles Fahrverbot für alle Kraftfahrzeuge gelten

 

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