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Unter Hafenarrest

Nach dem friedlichen Protest gegen Ölbohrungen: Die spanischen Behörden setzten das Greenpeace-Schiff „Arctic Sunrise“ im Hafen von Arrecife, der Hauptstadt von Lanzarote, fest. 

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Die spanische Regierung hat ein Disziplinarverfahren gegen den Kapitän der „Arctic Sunrise“ eingeleitet. Er wird wegen „Verstoßes gegen marine Verkehrsregeln“ angeklagt; die Geldstrafe, die dafür verhängt wird, kann bis zu 300.000 Euro betragen.

„Die Festsetzung der „Arctic Sunrise“ verletzt massiv das Demonstrationsrecht der Menschen, die sich für den Schutz der Umwelt einsetzen“, sagt Mario Rodriguez, Geschäftsführer von Greenpeace Spanien. „Sie ist eine unverhältnismäßige Reaktion auf einen friedlichen Protest.“

Greenpeace-Aktivisten hatten sich mit der „Arctic Sunrise“ auf die beabsichtigten Ölbohrstelle der Firma Repsol etwa 60 Kilometer vor der Küste Fuerteventuras gelegt. Beim rabiaten Eingreifen des spanischen Militärs wurden zwei Aktivisten verletzt.

Gegen die Interessen der Bevölkerung

Die „Arctic Sunrise“ soll erst gegen eine Kaution von 50.000 Euro freigegeben werden, ansonsten werde sie bis zum Abschluss des Disziplinarverfahrens in Spanien festgehalten, so die Behörden. Allerdings darf sich die Besatzung frei bewegen.

„Das zeigt, dass die spanische Regierung die Interessen des Ölkonzerns Repsol unterstützt - und nicht die der Bevölkerung“, so Rodriguez. „Millionen von Menschen sind gegen die umweltschädliche Ölförderung und stehen hinter dem friedlichen Protest von Greenpeace.“

Das „Arctic Sunrise“-déjà-vu

Mit dem Vorfall wiederholt sich Geschichte. Im vergangenen Jahr fuhren Greenpeace-Aktivisten mit der „Arctic-Sunrise“ in die russische Arktis; dort protestierten sie friedlich gegen Ölbohrungen des Konzerns Gazprom. Die russische Polizei verhaftete 28 Aktivisten und zwei Journalisten und hielt sie etwa drei Monate in Russland fest; die „Arctic Sunrise“ wurde erst nach 300 Tagen von den Behörden freigegeben.

Die großen Ölkonzerne zerstören auch weiterhin die Meere; Greenpeace fordert ein Verbot von Tiefseebohrungen und ein Schutzgebiet in der Hohen Arktis, das grundsätzlich nicht industriell genutzt wird

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