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Gazprom: Ölpest in Sibirien vertuscht

Greenpeace Russland hat die russische Staatsanwaltschaft aufgefordert, eine Untersuchung wegen möglicher geheimer Absprachen zwischen Gazprom und den zuständigen Überwachungsbehörden einzuleiten. Die Absprachen könnten dazu gedient haben, das Ausmaß einer Ölpest in der Region Tomsk in Sibirien zu vertuschen.

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Im August 2013 hatten Aktivisten einer lokalen Nicht-Regierungsorganisation über eine Ölpest im Norden der Region Tomsk in Sibirien berichtet. Zwei Monate danach untersuchte die russische Umwelt-Überwachungsbehörde Rosprirodnadzor das Gebiet im Gazprom-Ölfeld Urmanskoe und berichtete daraufhin, dass keine Ölverschmutzung gefunden worden sei.

Gazprom erklärte indessen, es habe sich um eine sehr kleine Verschmutzung gehandelt. Angeblich seien nur 90 Kilogramm Öl ausgeflossen und vollständig wieder aufgefangen worden. Rospriradnadzor gab sich mit dieser Auskunft zufrieden. Gazprom musste ein Bußgeld in Höhe von 10000 Rubel (umgerechnet etwa 200 Euro) zahlen, weil das Unternehmen den Unfall nicht rechtzeitig gemeldet hatte.

Aus Analysen von Satellitenbildern des betroffenen Ölfelds durch Greenpeace Russland geht jedoch hervor, dass insgesamt 71 Öllachen in der Region ein Gebiet von insgesamt 3,1 Hektar verschmutzen - weit mehr also als die 90 Kilogramm, von denen Gazprom spricht.

Es besteht daher der dringende Verdacht, dass der Konzern und die staatliche Agentur gemeinsam versucht haben, das Ausmaß der Ölleckagen herunterzuspielen. Möglicherweise ließ der Konzern die Öllachen mit Erde überdecken, nachdem er darüber in Kenntnis gesetzt worden war, dass die Inspektoren über die Unfälle informiert waren.

Greenpeace Russland hat daher bei der Staatsanwaltschaft offiziell einen Antrag eingereicht, das betroffene Gebiet zu untersuchen. Der Staatsanwaltschaft wurden Bilder zugestellt, die die genauen Standorte möglicher Lecks aufzeigen.

Gazprom gehört zu den fünf "schmutzigsten" Unternehmen in Russland. Der Konzern ist für etwa 2000 Unfälle mit Erdöl und damit verbundenen toxischen Produkten verantwortlich – vielfach aufgrund maroder Pipelines.

Vladimir Chuprov, Leiter der Energieabteilung von Greenpeace Russland, erklärt: "Dank der veralteten Ölpipeline-Infrastruktur und der laschen staatlichen Kontrolle ist es nicht verwunderlich, dass es in Russland gängige Praxis ist, eine Ölpest zu vertuschen, statt den Schaden zu beseitigen."

Chuprov fordert, die Strafen für Ölunfälle und ihre Vertuschung so hoch anzusetzen, dass es für Konzerne zu kostspielig wird, dieses Risiko einzugehen. Ein Gericht in der Republik Komi hat erst kürzlich angeordnet, dass der Ölkonzern Lukoil für eine Ölpest in der Region umgerechnet 13,5 Millionen Dollar Strafe zahlen müsse. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber in der russischen Rechtsprechung leider eine Ausnahme.

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