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Nabelschnur als Chemikalienpipeline

Ein neuer Erdenbürger ist da - unschuldig und unbelastet beginnt ein neues Leben. Unbelastet? Weit gefehlt! Bereits ungeborenes Leben ist im Mutterleib einer Vielzahl von Chemikalien ausgesetzt. Das geht aus einer neuen Studie hervor, die der Worldwide Fund for Nature (WWF) und Greenpeace am Donnerstag veröffentlichen.

Gefunden wurde, dass Industriechemikalien über die Nabelschnur direkt in den Körper des ungeborenen Kindes gelangen können. Die in Blutproben nachgewiesenen Substanzen können für Mutter und Kind gesundheitsschädlich sein und sowohl die körperliche als auch die geistige Entwicklung des Kindes beeinträchtigen.

Eine drastische Verschärfung des Chemikaliengesetzes tut Not. Die Chance dazu bietet sich gerade durch ein neues EU-Chemikaliengesetz. Die erste Lesung des Gesetzesvorschlags soll im November im EU-Parlament stattfinden. Greenpeace und der WWF fordern, gefährliche Chemikalien durch sichere Alternativen zu ersetzen.

Chemiefirmen wie BASF und Ciba behaupten, dass Chemikalien heute kein Problem mehr sind, sagt Chemieexpertin Ulrike Kallee von Greenpeace. Diese Ergebnisse zeigen hingegen, dass Kinder nicht einmal im Mutterleib vor Schadstoffen sicher sind. Dabei reagieren Föten und Neugeborene besonders sensibel auf Schadstoffe.

Chemikalien entweichen aus Alltagsprodukten

In Kooperation mit der niederländischen Universität Groningen wurden 42 Mutterblut- und 27 Nabelschnurblutproben von werdenden Müttern auf acht Chemikaliengruppen untersucht. Die Proben enthielten unter bromierte Flammschutzmittel, künstliche Moschusduftstoffe und Reste von Pflanzenschutzmitteln.

Die Chemikalien entweichen aus Alltagsprodukten wie Konservendosen, Kleidungsstücken oder Lebensmittelverpackungen. Auch Plastikspielzeug, beschichtete Pfannen, Kosmetikartikel, Computer und andere Elektrogeräte setzen solche Stoffe frei. Über den Hautkontakt, die Nahrung oder beim Atmen gelangen sie in die menschliche Blutbahn.

Die Reform ist überfällig

Greenpeace und WWF setzen sich für eine Reform der neuen EU-Chemikaliengesetzgebung REACH ein. Die Abkürzung steht für die Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien.

Die Reform ist überfällig. Die Schlupflöcher im derzeitigen Entwurf der Gesetzgebung müssen geschlossen werden, sagt Karl Wagner, Leiter der Chemiekampagne beim WWF International. Nach wie vor wollen zahlreiche Firmen nicht auf gesundheitsgefährdende Substanzen verzichten. Nur mit gesetzlichen Maßnahmen können Innovationen in der Chemieindustrie vorangebracht werden, um Risikostoffe durch sichere Alternativen zu ersetzen.

REACH bietet die Chance, Mensch und Umwelt vor den negativen Auswirkungen schädlicher Chemikalien zu schützen. Dazu ist es nötig, die schädlichsten Stoffe zu identifizieren und aus dem Verkehr zu ziehen. Ziel muss es sein, Chemieproduzenten in die Verantwortung zu nehmen und sie für die Langzeitwirkungen ihrer Produkte haftbar zu machen, so Kallee.

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