Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Keine Weichmacher mehr in Kinderspielzeug!

Kinderspielzeug ist sicherer geworden! Das Europäische Parlament hat am Dienstag beschlossen, sechs giftige Chemikalien, die PVC-Spielzeug weicher machen, endlich zu verbieten. Greenpeace kämpft seit acht Jahren für ein Verbot der gefährlichen Weichmacher (Phthalate). Sie finden sich unter anderem in Kinderspielzeug, das die Kleinen oft in den Mund stecken.

Greenpeace begrüßt das heute beschlossene Verbot von Weichmachern in Spielsachen. Aber es hat viel zu lange gedauert, bis diese hormonähnlichen und fruchtbarkeitsschädigenden Stoffe endlich aus dem Kindermund verbannt wurden, stellt der Greenpeace-Chemieexperte Manfred Krautter fest.

Leider bedeutet das gute Beispiel nicht, dass unsere Umwelt und die alltäglichen Dinge, mit denen wir uns umgeben, wirklich sicherer geworden sind. Es zeigt vielmehr deutlich die Defizite des heutigen Chemikalienrechts. Insgesamt gibt es über 100.000 Chemikalien, die bis jetzt kaum auf ihre Giftigkeit untersucht wurden. Wenn die EU zur Prüfung jeder einzelnen Substanz sieben Jahre braucht, kommen wir erst in Tausenden von Jahren einer Lösung des Problems nahe, bemerkt Manfred Krautter.

Deshalb fordert Greenpeace, dass das neue EU-Chemikalienrecht (REACH) sichere Zulassungsverfahren für gefährliche Chemikalien entwickelt. Die Industrie muss außerdem umfassende Daten über die Giftigkeit der von ihr produzierten Chemikalien vorlegen.

Da die Chemieindustrie eben das nicht will, hat sie in einer groß angelegten Lobbykampagne bereits erreicht, dass nur noch ein Bruchteil der ungetesteten Chemikalien überhaupt untersucht werden soll. Und EU-Industriekommissar Günter Verheugen schlägt sich auf ihre Seite, indem er sich gegenüber EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso für eine Abschwächung der REACH- Reformen einsetzt.

Autorin: Maren Borgerding

Weiterführende Publikationen zum Thema

The smart supermarket

Wie könnte er aussehen, der Supermarkt der Zukunft? Welche Möglichkeiten gibt es, die Unmengen an Plastik zu vermeiden, in denen waren heute eingepackt sind?

Das Wegwerfprinzip

„Bioplastik“, „Chemisches Recycling“ – so was klingt erst mal gut, ist es aber nicht. Der Report „Das Wegwerfprinzip“ beschreibt, mit welchen Tricks multinationale Konzerne die Öffentlichkeit täuschen.

Mehr zum Thema

Übles Mehr in Meeresfrüchten

Plastik ist überall. Erst im Supermarktregal, dann im Meer – und wieder auf dem Teller: Eine Greenpeace-Untersuchung belegt Mikroplastik-Funde in vielen Fischeinkäufen.

Ab Werk in den Abfall

Eine ganze LKW-Ladung Neuware pro Woche landet im Müll: Bilder aus dem Amazon-Logistikzentrum in Winsen an der Luhe belegen rücksichtslose Praktiken im Onlinehandel.

Frechheit!

Mit einer Plakataktion macht Greenpeace in Hamburg auf die Retourenvernichtung bei Amazon aufmerksam. Der Ton ist ruppig, doch für die Sauerei sorgt der Onlinehändler ganz alleine.