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Keine Industriegifte in die Oder

Greenpeacer haben am Dienstag im polnischen Brzeg Dolny gegen die Einleitung von giftigem Industrieabwasser in die Oder protestiert. 30 Greenpeace-Aktivisten aus Polen, Deutschland, der Slowakei und Österreich verschlossen das Hauptabflussrohr der Chemiefabrik PCC Rokita.

Mit einer Holzplatte, auf der das Symbol für Gift - ein Totenkopf - prangte, brachten sie die Abwassereinleitung zum Stehen. Daneben befestigten die Aktivisten in Schlauchbooten ein Transparent mit der Aufschrift Der Fluss ist nicht euer Abwasserkanal.

Ein Gespräch mit der Firmenleitung ist nach mehreren Versuchen geplatzt. Auf die Forderung, nur mit einem einzigen Aktivisten zu sprechen, hat Greenpeace sich nicht eingelassen. Da die Firmenleitung sich nicht kooperativ zeigte, haben die Greenpeacer einen Bericht über die giftigen Machenschaften von PCC Rokita an die regionale Umweltbehörde übergeben.

Greenpeace fordert den sofortigen Stopp der Oder-Vergiftung. PCC Rokita leitet Dauergifte und Schwermetalle in den Fluss. Die Firma produziert Grundchemikalien für die Industrie und ist ein Tochterunternehmen der deutschen Chemie-Holding PCC in Duisburg.

Was in Deutschland längst verboten ist, ist für PCC in Osteuropa noch Alltag: Hier sind Flüsse noch die Abwasserkanäle der Chemieindustrie, sagt Greenpeace-Chemieexperte Herwig Schuster. Die hier eingeleiteten hochgiftigen Substanzen bedrohen das empfindliche Ökosystem der Oder und die Gesundheit der Menschen entlang des Flusses bis nach Frankfurt Oder.

Greenpeace hatte Abwasser- und Sedimentproben aus der Oder genommen. Das Ökologie-Institut in Bratislawa fand darin unter anderem giftige polyaromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), polychlorierte Biphenyle (PCB), als PVC-Weichmacher verwendete Phthalate und Schwermetalle wie Quecksilber.

Die Laboranalysen zeigen, dass das Abwasser dieser Fabrik zwölf von 33 Giftstoffen enthält, die laut EU-Wasser-Rahmenrichtlinie nicht in Flüsse gelangen dürfen, erklärt Herwig Schuster. Besonders der Weichmacher DEHP kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, und Nonylphenole schädigen das Hormonsystem. Diese Umweltgifte müssen dringend durch umweltneutrale Chemikalien ersetzt werden.

Die Einleitung der zwölf gefundenen Giftstoffe ist zwar nach EU-Recht verboten, nach polnischem Recht jedoch zulässig. Als neues EU-Mitgliedsland muss Polen die EU-Wasser-Rahmenrichtlinie erst ab 2007 einhalten. (Autorin: Ute Szczepanski)

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