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Indische Politiker erinnern sich an Bhopal

Seit fast auf den Tag genau 19 Jahren steht der Name Bhopal für die größte Chemiekatastrophe aller Zeiten, für die Gewissenlosigkeit großer Konzerne, für das Versagen von Politik und Justiz. Alle paar Jahre werden die Opfer des Desasters heftig umworben - wenn Wahlen anstehen. Am 1. Dezember war es wieder so weit: In vier indischen Bundesstaaten haben am Montag Parlamentswahlen stattgefunden. Darunter der Bundesstaat Madhya Pradesh. Hauptstadt: Bhopal.

Am 3. Dezember 1984 traten in einer Pestizidfabrik des US-amerikanischen Chemiekonzerns Union Carbide rund 80 Tonnen eines tödlichen Gasgemischs aus. Ursache: gezielte Einsparungen bei den Sicherheitsvorkehrungen. Das Gas tötete 2.000 Menschen auf der Stelle, mindestens 8.000 innerhalb der ersten drei Tage. Mehr als 150.000 Menschen wurden dauerhaft schwer geschädigt. Das Leiden geht inzwischen in die nächste Generation.

Bis heute ist das Gelände nicht dekontaminiert worden. Giftige Stoffe lagern ungesichert in rottenden Säcken und verrosteten Fässern. Das Grundwasser ist verseucht. Kinder spielen an Tümpeln, in denen kein Fisch überleben könnte. Union Carbide spielte die Katastrophe herunter, um möglichst billig davonzukommen. Dow Chemical, Nachfolger von Union Carbide, verweigert den Opfern bis heute jegliche Hilfe. Der indischen Regierung war es jahrzehntelang wichtiger, die Industrie nicht zu verprellen.

Unter diesen Umständen es nicht verwunderlich, dass die Menschen von Bhopal den Versprechungen der Politiker keinen Glauben schenken. Immer zur Wahl kommen die Parteien und machen ein Wahlkampfthema daraus, aber keine hat es je ernst genommen, sagt Satinath Sarangi vom regierungsunabhängigen Sadhbhavna Trust, der sich um medizinische Betreuung für die Opfer bemüht. Um jede Kleinigkeit müssen wir mit dem System kämpfen. Das System macht nur Versprechungen, sonst nichts. (sit)

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