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Indien: Krankheit und Tod aus Chemiewerken

Eine neue, am Mittwoch vorgestellte Greenpeace-Studie belegt alarmierend hohe Krankheitsraten im südindischen Industriegebiet Eloor bei Cochin. Viele Bewohner der Region leiden unter Krebs, Bronchitis, Asthma, allergischen Hautkrankheiten und Magengeschwüren. Säuglinge kommen missgebildet zur Welt.

In Eloor sind mehr als 247 Chemiewerke angesiedelt, die seit Jahren Luft, Boden und Wasser vergiften - ohne nennenswerte gesetzliche Auflagen zum Schutz von Umwelt und Gesundheit.

Sechs Monate lang haben Greenpeace-Experten mit Unterstützung indischer Ärzte die Gesundheitsdaten der örtlichen Bevölkerung mit denen der Menschen von Pindimana verglichen. Pindimana liegt stromaufwärts am Periyar und ist bisher weitgehend von der Verseuchung verschont geblieben. Das Ergebnis des Vergleichs fiel schockierend aus. In Eloor zu leben, erhöht das Risiko an Krebs zu erkranken, fast um das Dreifache. An Asthma um mehr als das Doppelte, an Bronchitis um mehr als das Dreifache. Kinder kommen in Eloor mehr als 2,5-mal häufiger mit Missbildungen zur Welt als anderswo.

Bei einer vorangegangenen sechsmonatigen Untersuchung des Flusses Periyar hatte sich herausgestellt, dass die Wassertemperaturen an verschiedenen Flussabschnitten konstant über der Lufttemperatur lagen. Im Februar und März 2003 betrug der Unterschied fast 4 Grad Celsius. Die Verseuchung ist ungeheuerlich. Chemische Abfälle fließen durch 30 Abflussrohre aus den Fabriken in den Fluss. Um den Periyar zu beobachten, hat Greenpeace einen so genannten Flusswächter ernannt. Er ist der Einzige in ganz Asien. Der Amtsinhaber V.J.Jose wurde am Volkswissenschaftlichen Institut Dehradun eigens für seine Aufgabe geschult. (sit)

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