Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Hautnah: das kommt an mich nicht ran

Im November soll sie endlich kommen. Die langersehnte Entscheidung des Europäischen Parlaments im Streit um die Chemikalienreform Reach (Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien). Dass Alltagsprodukte wie Textilien schon längst ohne umstrittene Chemikalien produziert werden können, zeigten Greenpeace und die Modekette Hennes & Mauritz (H&M) am Dienstag in Hamburg.

  • /

Schon seit Jahren läuft die Auseinandersetzung zwischen Chemie-Lobby und einem breitem Bündnis von Umweltverbänden, Ärzten, Gewerkschaften und Wissenschaftlern. Es geht darum, ob gefährliche Chemikalien grundsätzlich ersetzt werden sollen.

Erfreulicherweise setzten einzelne Unternehmen wie Adidas, Lego, Mango, Nokia, Dell und Ikea freiwillig auf sichere Alternativen. H&M beispielsweise arbeitet seit 1995 mit umweltfreundlichen Stoffen. So werden Organozinnverbindungen, bromierte Flammschutzmittel, Phthalate oder PVC mittlerweile nicht mehr verwendet.

Mathias Geduhn, Leiter der H&M-Pressestelle, erklärt dazu: Reach wird es uns erleichtern, bedenkliche Chemikalien in unseren Produkten zu vermeiden und so unserer Verantwortung Kunden, Mitarbeitern und der Umwelt gegenüber bestmöglich gerecht zu werden. Die Hersteller chemischer Substanzen werden bessere Informationen und bessere Produkte zur Verfügung stellen müssen.

Greenpeace geht mit seinen Forderungen weiter: Die Bundesregierung soll ihre Blockadehaltung zu Reach aufgeben. Die deutsche Regierung will derzeit Chemikalien, die Krebs erregen, das Erbgut schädigen oder die Fortpflanzung stören können, weiter verwenden lassen, wenn eine Wirkungsschwelle bestimmt werden kann. Dies soll auch dann gelten, wenn es bereits Alternativen gibt. Auch für Chemikalien, die die Entwicklung von Embryonen schädigen können, wird keine Ausnahme gemacht.

Dennoch, freiwillige Verpflichtungen reichen nicht aus, um Umwelt und Gesundheit vor gefährlichen Chemikalien zu schützen. Entgegen der verbreiteten Befürchtung, bedeuten die Alternativen keinen Kompromiss auf Kosten von Mode oder Qualität.

Statt den Märchen von Arbeitsplatzverlusten und Markteinbrüchen durch Reach zu glauben, sollten sich europäische Entscheidungsträger mit innovativen Unternehmen treffen, sagt Corinna Hölzel, Reach-Sprecherin von Greenpeace. Diese Unternehmen profitieren genauso von einem starken Reach wie die 450 Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher in Europa.

Passend zum Thema präsentierte das Greenpeace Magazin am Dienstag die Textil-Fibel 2 - Wissenswertes über Fäden, Fasern und Faire Kleidung (130 Seiten, 8,90 Euro), zu bestellen unter 040-8081 28080 oder www.greenpeace-magazin.de.

(Autorin: Sanja Schlösser)

Weiterführende Publikationen zum Thema

The smart supermarket

Wie könnte er aussehen, der Supermarkt der Zukunft? Welche Möglichkeiten gibt es, die Unmengen an Plastik zu vermeiden, in denen waren heute eingepackt sind?

Das Wegwerfprinzip

„Bioplastik“, „Chemisches Recycling“ – so was klingt erst mal gut, ist es aber nicht. Der Report „Das Wegwerfprinzip“ beschreibt, mit welchen Tricks multinationale Konzerne die Öffentlichkeit täuschen.

Mehr zum Thema

Dreckiges Ölgeschäft

Shell will alte Plattformen mit 11.000 Tonnen Öl in der Nordsee verrotten lassen. Dagegen protestieren seit heute Morgen Greenpeace-Aktivisten und kletterten auf zwei Plattformen.

Die Welt ist nicht genug

Heute, am Earth Overshoot Day, ist Schluss: Wir haben der Natur mehr genommen, als die Erde übers Jahr erneuern kann. Wie wäre es also, wenn wir ihr ab jetzt etwas zurückgeben?

Post ist da!

Mit einer eigenen Paketlieferung protestieren Greenpeace-Aktivisten vor dem „Prime Day“ auf einem Amazon-Logistikzentrum gegen die sinnlose Zerstörung neuwertiger Waren.