Greenpeace-Aktion in Berlin: Samsung soll zu 100 Prozent Erneuerbare Energien nutzen

So nicht, Sportsfreund

Mit einer Kletteraktion in Berlin forderten Greenpeace-Aktivisten von Olympia-Sponsor Samsung: umstellen auf Erneuerbare! Noch setzt der Elektronikriese auf Kohle und Atom.

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Solange das Berliner Schloss noch eine der vielen Baustellen der Hauptstadt ist, dient das Baugerüst als Werbefläche: Auf gigantischen Reklametafeln preist der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung hier weithin sichtbar seine Produkte an. Gute Lage, fanden auch Greenpeace-Kletterer am frühen Morgen. Und ersetzten die Werbebotschaft des Unternehmens mit ihrem eigenen Claim: „Go 100% renewable energy now!“ stand daraufhin auf den Plakaten zu lesen.

Während Konkurrenzunternehmen wie Apple sich verpflichtet haben, künftig vollständig auf Erneuerbare Energien zu setzen, gibt es von Samsung keine vergleichbaren Ankündigungen. Im Gegenteil: Bislang nutzt Samsung nur ein Prozent sauber erzeugten Strom in seinen Lieferketten. Das ist unzeitgemäß, umweltschädlich und erzeugt zudem einen kuriosen Missklang bei den anstehenden Olympischen Winterspielen in Südkorea, die in zwei Wochen beginnen. In Pyeongchang tritt Samsung als Hauptsponsor auf – von nachhaltigen Spielen, betont das Olympische Komitee, versorgt durch 100 Prozent Erneuerbare Energien. Währenddessen baut der Konzern weiterhin auf schmutzigen Strom und bedroht damit den Fortbestand ebenjenes Wettbewerbs, mit dessen Bildern er im Februar Imagepflege betreiben will.

Zu warm für Wintersport

Überlegt man, was so alles vom Klimawandel bedroht ist, fallen einem vielleicht nicht als erstes die Olympischen Winterspiele ein, dennoch wiegt das Problem schwer. Eine aktuelle Studie von Tourismusforschern stellt in Aussicht, dass zum Ende des Jahrhunderts nur noch acht der bisherigen 21 Austragungsorte der Winterspiele die Voraussetzungen bieten, Wettbewerbe auszurichten – sofern die weltweiten Treibhausgasemissionen nicht drastisch gesenkt werden. Orte wie Sotschi in Russland oder Vancouver in Kanada wären als Gastgeber künftig ausgeschlossen. Das ist kein Kuriosum für Wintersportfans – sondern eine spürbare Folge der menschengemachten Erderhitzung durch zu viel Kohlenstoffdioxid.

„Ändert Samsung seine Ausrichtung nicht, bleiben auch die südkoreanischen Schneeberge nicht von der Klimaerhitzung verschont“, sagt Niklas Schinerl, Greenpeace-Experte für Energie. Auf die Riesen der Branche kommt es beim Kampf gegen den Klimawandel an: Mit 400 Millionen produzierten Smartphones ist Samsung der weltweit größte Mobilfunk-Hersteller. 2016 hat das Unternehmen mehr als 16.000 Gigawattstunden Energie verbraucht, zu 99 Prozent aus einem schmutzigen Strommix. Ein Großteil der Geräteproduktion findet in Ostasien statt, dort stammt der Strom meistens aus Kohlekraftwerken – ausgerechnet in einer Region, die bereits jetzt stark unter der Klimaerhitzung leidet. Bei einem Greenpeace-Check der IT-Branche belegte Samsung darum im vergangenen Jahr den letzten Platz.

Keine Besserung in Sicht

Nicht einmal gute Absichten kann man dem Elektronik-Riesen bislang unterstellen: „Seit den letzten Winterspielen in Russland ist Samsungs Verbrauch von dreckiger Energie sogar noch um 45 Prozent gestiegen“, so Schinerl. „Wenn diese Entwicklung nicht korrigiert wird, dann werden Samsungs Emissionen bis zu den nächsten Olympischen Winterspielen in Peking 2022 nochmals um 60 Prozent ansteigen.“

Auch in Taipeh in Taiwan protestierten heute Greenpeace-Aktivisten vor Samsung-Läden gegen das klimaschädliche Wirtschaften des Unternehmens, in den vergangenen Wochen fanden Aktionen in New York und London statt. Seit Jahren fordert Greenpeace mit seiner internationalen Green-IT-Kampagne nachhaltige und faire Produktionsbedingungen in der Elektronikbranche. Mit Erfolg: Immer mehr Konzerne schalten um auf Erneuerbare. Wann besinnt sich Samsung?

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