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Greenpeace zeigt Dow den Finger

Im Vorfeld des Weltsozialforums in Brasilien forderte Greenpeace am Donnerstag mit einer Aktion in São Paulo von Dow Chemical, endlich Verantwortung für den Chemieunfall in Bhopal von 1984 zu übernehmen. Sie installierten einen Wegweiser zum corporate criminal in Form einer roten Hand, deren Zeigefinger anklagend auf den Firmeneingang zeigt.

Der Unfall von Bhopal, bei dem eine Pestizidfabrik von Union Carbide explodierte, war der größte Chemieunfall der Geschichte. 20.000 Menschen sind direkt oder an den Folgen gestorben, 150.000 weitere sind erkrankt. Neben den Überresten der Produktionsanlagen und dem verseuchten Boden lagerte Union Carbide noch Jahre nach dem Unfall auch Pestizide und andere Mixturen giftiger Chemikalien. Der amerikanische Konzern sah sich trotzdem nie veranlasst, die giftige Hinterlassenschaft auf seinem Firmengelände zu beseitigen. Auch Dow Chemical, die Union Carbide im Jahr 2001 übernahmen, weisen jede Verantwortung von sich.

Dow verweigert, seine Verantwortung für Bhopal zu akzeptieren und trägt damit zu weiteren Toten bei. Dadurch macht sich Dow der Beihilfe zum Mord schuldig, egal wie Sie es drehen, sagt John Butcher von Greenpeace in Brasilien. Die Menschen, die aus glücklichen Umständen die größte industrielle Tragödie der Welt überlebt haben, erhalten weiter ihre tägliche Dosis Gift - dank Dow. Es ist an der Zeit, dass Unternehmen, die von einer globalisierten Welt profitieren, auch weltweit für ihre Operationen zur Rechenschaft gezogen werden.

Auch in São Paulo hat ein Dow-Werk die Böden der Umgebung mit Schwermetallen und organischen Giftstoffen verseucht, darunter Tetrachlormethan und Chloroform. Nachdem Greenpeace-Messungen dies 2000 aufgedeckt hatten, starteten die lokalen Behörden eine Untersuchung, die bis heute andauert.

Auf dem Weltsozialforum in Porto Alegre treffen sich ab dem 23. Januar Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten, um über die Auswirkungen einer globalisierten Welt für die Menschen zu debattieren. Es gilt als Gegenveranstaltung zu den Treffen der Top-Firmenführer in Davos, dem Weltwirtschaftsforum. Greenpeace wird dort mit einer preisgekrönten Fotoausstellung zu den Auswirkungen des Bhopal-Unglücks präsent sein. (hol)

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