Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Greenpeace-Untersuchung: Russische Flüsse stark belastet

Greenpeace-Aktivisten befestigten in Moskau unter einer Brücke des Flusses Moskwa ein Banner mit der Aufschrift: "Putin! Ban toxic discharges to our rivers". In Sichtweite der Brücke steht das Baltschug Kempinski Hotel, dort findet das HELCOM-Ministertreffen statt. Zwei weitere Aktivisten in Schlauchbooten forderten die Minister mit der Flagge "STOP polluting our rivers!" dazu auf, die Flüsse nicht weiter zu verschmutzen. Die gleiche Nachricht trug auch die Beluga II auf ihrem Banner.

  • /

Giftig. Gefährlich. Gesetzüberschreitend. Die ersten Ergebnisse der Beluga-Expedition von Greenpeace sind da und verheißen nichts Gutes. Die Giftwerte in russischen Flüssen liegen weit über den zulässigen Grenzwerten. Zusätzlich hat Greenpeace dioxinähnliche Substanzen im Wasser gefunden, deren Einleitung verboten ist. Auf dem heute beginnenden Ministertreffen der Helsinki Kommission (HELCOM) zum Schutz der Ostsee-Meeresumwelt fordert Greenpeace die Minister auf, wirksame Maßnahmen gegen die giftigen Einleitungen zu ergreifen.

Vor dem Protest haben manche der Greenpeacer bereits einen langen Weg zurückgelegt. Am 20 April ist ein sechsköpfiges Greenpeace-Team mit dem Schiff Beluga II aufgebrochen, um gemeinsam mit russischen Experten die Verschmutzung russischer Flüsse zwischen Sankt Petersburg und Moskau zu untersuchen. Heute hat die Beluga in Moskau angelegt.

Das Schiff ist mit einem hydrochemischen Mini-Labor ausgestattet, um einen Toxizitäts-Schnelltest von Wasserproben durchzuführen. Die Wasserproben wurden in den Flüssen Sankt Petersburgs, in der Newa, der Ochta und der Slawjanka, sowie an der berüchtigten Giftmülldeponie Krasnij Bor genommen.

Da sich mit dieser Methode jedoch nicht die chemische Zusammensetzung der Gifte bestimmen lässt, werden die Proben an Speziallabore weitergegeben, die eine genauere Untersuchung der Proben vornehmen.

Die Analysen dieses Speziallabors belegen zehn- bis hundertfache Überschreitungen der Grenzwerte für Schwermetalle, Polychlorierte Biphenyle (PCB), Phtalate sowie Phenole. Die Einleitung von Schadstoffen in russischen Flüssen könnte verantwortlich sein für die hohe Schadstoffbelastung der Ostsee.

Russland verstößt gegen das Abkommen der Ostsee-Anrainerstaaten, die Einleitungen von Schadstoffen in die Ostsee zu verringern, sagt Wolf Wichmann, deutscher Greenpeace-Taucher und Mitglied des Wissenschaftlerteams an Bord der Beluga II. Russland muss endlich Maßnahmen ergreifen, um die giftigen Einleitungen zu stoppen - eine Unterschrift unter ein Abkommen allein reicht nicht aus.

Gleichzeitig veröffentlicht Greenpeace den Russian Refuse Report (Report der russischen Verweigerung), der zeigt, dass die Schwebstoffe des Flusses Newa mit Polybromierten Diphenyl-Ethern kontaminiert sind. Die chemische Struktur dieses Stoffes und seine Auswirkungen auf den menschlichen Organismus ähneln denen von Dioxin. Dioxine sind die gefährlichsten bislang bekannten künstlichen Verbindungen. Der Gehalt von Dioxinen und Polybromierten Diphenyl-Ethern in russischen Flüssen wird bisher nicht von den Behörden überwacht.

Die Beluga II ist das erste westliche Schiff, das in Moskau angelegt hat. Die Erlaubnis kam nach einigen Tagen Verzögerung durch angebliche bürokratische Probleme vom russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin. Die Giftbrühe, die durch Russlands Flüsse fließt, sollte auch ihn interessieren und endlich zum Handeln bewegen.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Schleichendes Gift

Wenn Verbote zu spät kommen: Große Teile der weltweiten Orca-Bestände stehen vor dem Aussterben. Schuld ist ein Schadstoff, der seit fast 15 Jahren auf der Schwarzen Liste steht.

Zu viel, zu schnell

Der Modekonzern H&M sitzt auf Ladenhütern im Milliardenwert und weiß nicht wohin damit. Die Entsorgung erfolgt oft auf fragwürdigem Weg, berichten ZDF und Wirtschaftswoche.

Gutes Leben, selbstgemacht

Deutschlandweit zeigten Greenpeace-Aktivisten am Wochenende, wie verantwortungsvoller Konsum geht. Und dass das nichts mit Verzicht zu tun haben muss.