Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Fernsehtipp: Wo die Schiffe sterben gehen

Am Donnerstag, dem 10. März 2005, wird der WDR eine Fernsehreportage von Nicola Reyk über die Zustände auf einer Abwrackwerft an der indischen Westküste ausstrahlen. Unser Experte für Giftstoffe und Schiffsabwrackung, Andreas Bernstorff, empfiehlt diesen Beitrag. Hier sein Kommentar:

Nicola Reyk ist eine der ganz wenigen Journalisten, die es in den letzten fünf Jahren geschafft hat, mit Genehmigung - und tagelang! - in Alang zu filmen. Neben den bekannten Bildern - Öl- und Asbestverseuchung, gefährlichen Bränden, Explosionen und abenteuerlichen Arbeitsbedingungen - fördert der Film für Kenner der Materie einzelne Neuerungen zu Tage.

Nachdem Greenpeace 1998 erstmals die Zustände öffentlich dokumentierte und eine Kampagne begann, haben sich einige Dinge geändert: Ein Ambulanzwagen fährt täglich die Arbeitsplätze der 45.000 Männer ab. Leichte Verletzungen werden sofort behandelt. Ein kostenfreies Hospital wurde gebaut. Alle Arbeiter haben Helme und Stiefel, es gibt mehr Schutzbrillen, es gibt eine Art Berufsschule.

In den nächsten Wochen will Bremen den Export eines Kreuzfahrschiffes nach Indien genehmigen. Völlig unverantwortlich, denn immer noch ist Alang einer der gefährlichsten Arbeitsplätze der Welt. Und das hat auch die indische Regierung letzte Woche noch einmal bekräftigt: In Alang wird immer noch gegen zahlreiche indische Gesetze und Vorschriften verstoßen. Was also europäische Reeder und Behörden tun und zulassen, ist Giftkolonialismus hoch zwei.

WDR am Donnerstag, den 10. März 2005, um 22:00 Uhr bis 22:30 Uhr: Wo die Schiffe sterben gehen

Weitere Infos: WDR WELTWEIT - Reportage

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Schleichendes Gift

Wenn Verbote zu spät kommen: Große Teile der weltweiten Orca-Bestände stehen vor dem Aussterben. Schuld ist ein Schadstoff, der seit fast 15 Jahren auf der Schwarzen Liste steht.

Zu viel, zu schnell

Der Modekonzern H&M sitzt auf Ladenhütern im Milliardenwert und weiß nicht wohin damit. Die Entsorgung erfolgt oft auf fragwürdigem Weg, berichten ZDF und Wirtschaftswoche.

Gutes Leben, selbstgemacht

Deutschlandweit zeigten Greenpeace-Aktivisten am Wochenende, wie verantwortungsvoller Konsum geht. Und dass das nichts mit Verzicht zu tun haben muss.