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EU-Chemikalienpolitik light

Die Europäische Komission hat am Donnerstag neue Zahlen darüber veröffentlicht, wieviel die geplante Reform des Chemikalienrechts die Industrie kosten wird. Die vorgesehene Überprüfung der Chemikalien werde erheblich billiger sein als ursprünglich angenommen. Während man zunächst von mehr als zehn Milliarden Euro ausgegangen sei, handele es sich jetzt nur noch um 2,3 Milliarden - verteilt auf elf Jahre.

Erfreulich: Der Nutzen für das Gesundheitswesen liege bei 50 Milliarden Euro in den nächsten 30 Jahren.

Umweltschutzorganisationen begrüßen zwar das Sinken der Kosten. Fragwürdig nur, warum sie sinken. Ganz einfach: Die Kommission hat die vorgeschriebene Anzahl der Tests reduziert und alle Chemikalien, von denen jährlich weniger als zehn Tonnen produziert werden, von der Regelung ausgenommen.

Das bedeutet auch, dass etwa 20.000 Chemikalien, die vorwiegend für Kleidung und Kosmetika benutzt werden, nun gar nicht erst untersucht werden. Die Industrie spart dabei eine kümmerliche halbe Milliarde Euro. Das empört Mary Taylor von Friends of the Earth: Wie kann die Kommission rechtfertigen, so viele Vorteile, nämlich die Gesundheit der Bürger, für so wenig Profit zu opfern?.

2,3 Milliarden Euro bedeuten für die Chemieindustrie weniger als lächerliche 0,04 Prozent des jährlichen Umsatzes. Angesichts der neuen Kalkulationen solle die Kommission das ursprüngliche Ziel wiederaufnehmen, nämlich die Untersuchung aller 106.000 Chemikalien auf Ungefährlichkeit, fordert Jorgo Iwasaki Riss von Greenpeace. Wo immer es einen ungefährlichen Ersatz gibt, sollte die Industrie verpflichtet sein, ihn zu verwenden. (mod)

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