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Zweite Station der Greenpeace-Dieselruß-Tour

Dieselschwein in Frankfurt

Abseits offizieller Messstationen ermitteln Greenpeace-Experten derzeit Feinstaubwerte in bundesdeutschen Städten. Dazu haben sie am Donnerstag Frankfurt am Main einen Besuch abgestattet. Die Mainmetropole ist in den vergangenen Wochen besonders negativ aufgefallen: In keiner anderen deutschen Stadt sind die Grenzwerte für Feinstaub so oft überschritten worden wie hier: bislang schon 28-mal.

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Oberbürgermeisterin Petra Roth muss dieser bedrohlichen Situation sofort engergisch entgegentreten, um die Bürger Frankfurts vor der unsichtbaren Bedrohung zu schützen. Hierzu haben die Greenpeace-Aktivisten am Vormittag eine Petition im Rathaus übergeben. Frankfurt ist leider kein Einzelfall. Auch andere Städte haben die erlaubte Anzahl von 35 Grenzwertüberschreitungen jährlich schon fast erreicht.

Die Städte und Gemeinden müssen sofort Maßnahmen ergreifen, um die Belastung der Bürger zu verringern, so Greenpeace-Verkehrsexperte Günter Hubmann. Wenn sie dies unterlassen, ist das grob fahrlässig, denn der Feinstaub macht nicht nur krank, er tötet. Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben allein in Deutschland rund 75.000 Menschen frühzeitig an den Folgen der Feinstaubbelastung.

Ihre Messeinrichtung haben die Greenpeacer direkt auf dem berühmten Römer aufgebaut. Gemessen wird auf Kindernasenhöhe und nicht - wie von den offiziellen Stationen in Frankfurt - in einer Höhe von vier Metern. Die bisherigen Messungen ergeben, dass gerade der Anteil besonders gefährlicher Feinststäube sehr hoch ausfällt. Diese Werte werden in offiziellen Messergebnissen nicht gesondert ausgewiesen.

Mit dabei ist auch dieses Mal das Dieselschwein. Mit rosa Schweinsrüssel und -ohren steht der Dieselwagen in einem großen Käfig auf dem Römer. Dieselautos ohne Dieselruß-Vollfilter gehören eingesperrt. Würden, wie von Greenpeace gefordert, alle Dieselfahrzeuge, sowohl gebrauchte als auch neue, mit den Vollfiltern versehen, könnte man die Feinstäube auf einen Schlag um bis zu 25 Prozent reduzieren.

Die Bundesregierung weiß seit zehn Jahren von den Gefahren durch den Feinstaub, aber unternommen hat sie noch immer nichts - damit nimmt sie den Tod von Tausenden Menschen in Kauf! so Hubmann. Für akute Überschreitungen der Grenzwerte müssen deswegen Sofortmaßnahmen her, zum Beispiel Fahrverbote für Dieselfahrzeuge ohne Vollfilter.

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