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Dieselrußfilter: Bundeskanzler bremst

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat am Montag Forderungen aus der Regierungskoalition nach einer Anhebung der Diesel-Steuer eine Absage erteilt. Damit stellt er sich mal wieder schützend vor die Autoindustrie, nachdem Bundesumweltminister Jürgen Trittin gedroht hat, die Autohersteller mit einer höheren Steuer auf Diesel zur Produktion wirksamerer Rußfilter bewegen zu wollen. Seit Jahrzehnten leugnet die deutsche Autoindustrie die Gesundheitsgefahren durch Dieselruß und weigert sich, Filter in Neuwagen einzubauen.

Bundeskanzler Schröder hat nur das Interesse der Autoindustrie im Sinn, kritisiert Günter Hubmann, Greenpeace-Experte für Auto, Technik und Verkehr. Alle Bundestagfraktionen, alle Umweltverbände sowie der ADAC haben sich für die Rußfilter ausgesprochen und festgestellt, hier muss gehandelt werden. Die Frage ist, warum Herr Schröder mal wieder persönlich interveniert, obwohl er Verantwortung für alle Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik trägt. Es scheint ihm wichtiger, sich der Autoindustrie weiterhin anzubiedern, als seiner Pflicht als Bundeskanzler nachzukommen und die Bürgerinnen und Bürger vor Dieselkrebs zu schützen.

Dieselruß ist gefährlich. Nach Angaben des Umwelt- und Prognoseinstituts Heidelberg sterben jedes Jahr mindestens 8500 Menschen an den Folgen des Dieselrußes in der Luft. Die Diesel-Autoabgase verursachen Krankheiten wie Krebs (Lungenkrebs), Herzinfarkt, Asthma und Allergien. Besonders gefährdet: Kinder, denn Autoabgase treten bis zu einer Höhe von 1,5 Meter konzentriert auf. Das ist in direkter Nasenhöhe der Kinder.

Bereits seit dem Frühjahr 1999 protestiert Greenpeace gegen die Gefahren des Diesel-Kraftstoffes. Seit Herbst 2002 macht Greenpeace verstärkt Druck, um die Konzerne zum Umdenken zu bewegen. Zurzeit ist in Deutschland eine Dieselschweine-Familie unterwegs, die den Protest in 25 Städten zu den Autohändlern trägt. Neben den rosafarbenen Mercedes CDI, VW Lupo und Smart ist auch ein silberfarbener Mercedes C 220 dabei. Dieser Gebrauchtwagen wurde im Greenpeace-Auftrag vom Rheinisch-Westfälischen TÜV nachträglich erfolgreich mit einem Rußfilter ausgerüstet. Nach Ansicht der Autohersteller angeblich eine Unmöglichkeit.

Mit der Dieselschweine-Tour wollen wir die Öffentlichkeit beraten und auffordern, dieselrußarme Autos zu kaufen, die derzeit jedoch nur von einer einzigen ausländischen Firma angeboten werden, erklärt Hubmann. Die französiche Firma PSA bietet mit einigen Modellen der Marken Peugeot und Citroën serienmäßig Dieselmotoren mit Filteranlagen an. Inzwischen ist bereits das 500.000 Filter-Fahrzeug verkauft worden, ohne dass die Kunden einen Aufpreis bezahlen mussten.

Im Kampf gegen den Dieselruß ruft Greenpeace die Bürgerinnen und Bürger auf, Strafanzeige gegen die Verantwortlichen zu stellen, die wissentlich die Menschen der Gefahr aussetzen. Auf Seiten der Industrie sind das Jürgen Schrempp bei MercedesChrysler und Dr. Bernd Pischetsrieder bei VW. Ein von einem Rechtsanwalt erarbeitetes Merkblatt zu Strafanzeigen (PDF) können Sie sich herunter laden. Ebenso eine vorformulierte Strafanzeige (PDF), in die Sie Ihren Namen und Anschrift eintragen und dann unterschreiben müssen. (Bitte ändern Sie den Text nicht, die Strafanzeige könnte sonst formaljuristisch ungültig werden.)

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