Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Dieselruß-Schweinereien bei Daimler

Greenpeace-Aktion auf dem Berliner Messegelände: Anlässlich der Aktionärs-Hauptversammlung des DaimlerChrysler-Konzerns protestierten die Umweltschützer am Mittwoch erneut gegen die Weigerung des Unternehmens, seine Dieselfahrzeuge mit gesundheitsschützenden Rußfiltern auszustatten. Herr Schrempp, Sie haben da ein Problem, stand auf zwei großen Plakaten, die vor dem Gebäude aufgestellt worden waren. Sie zeigten den DaimlerChrysler-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Schrempp mit Schweinerüssel vor einem als Diesel-Schwein gekennzeichneten Mercedes-Kombi.

DaimlerChrysler bringt unzählige Menschen fahrlässig in Lebensgefahr, sagte Günter Hubmann, Fahrzeug-Experte von Greenpeace. Die Weigerung DaimlerChryslers, das Dieselruß-Problem endlich mit simplen Maßnahmen anzugehen, ist geradezu menschenfeindlich. Der Konzern müsste nur die Technik anwenden, die es bereits auf dem Markt gibt. Greenpeace hat bereits bewiesen, dass das ohne Probleme zu leisten ist.

Den Beweis lieferten die Greenpeacer am Mittwoch gleich mit: Vor dem Messegelände präsentierten sie den Mercedes, den der TÜV Rheinland im Auftrag der Umweltschutzorganisation nachträglich mit einem Dieselrußfilter ausgestattet hatte. Die Technik ist bekannt und hat sich längst bewährt. Nutzfahrzeuge, Busse und Gabelstapler werden schon seit Jahren mit Filtern ausgestattet, die die gefährlichen Rußpartikel zurückhalten. Beim französischen Autohersteller PSA gehören die Filter seit über zwei Jahren zur Serienausstattung.

Die feinen Rußteilchen in den Abgasen von Dieselfahrzeugen sind zum Teil nicht einmal 0,1 Mikrometer groß. Das ist ein Tausendstel des Durchmessers eines Menschenhaars. Diese winzigen Partikel dringen tief in die Lunge ein und sind verantwortlich für eine Reihe schwerer Erkrankungen. Kurzfristig verursachen sie Herzinfarkte, Asthma und Allergien. Langfristig kann Krebs entstehen. Allein in Deutschland sterben nach Schätzungen des Umwelt- und Prognoseinstituts Heidelberg jährlich bis zu 8.000 Menschen an den Folgen von Dieselkrebs.

Das müsste nicht sein. Der von Greenpeace nachgerüstete Mercedes führt die Wirksamkeit des Filters vor. Auch nach 45.000 gefahrenen Kilometern verlässt nur ein Fünftausendstel der Partikelmenge den Auspuff. Greenpeace fordert daher, dass spätestens ab 2004 nur noch Dieselfahrzeuge mit einem Partikelausstoß von 0,001 Gramm pro Kilometer zugelassen werden sollen. Zum Vergleich: Derzeit sind nach Euro 4 Abgasnorm 0,025 Gramm pro Kilometer erlaubt. Bereits verkaufte Automobile müssen nachgerüstet werden.

Weitere Informationen über die Gefahren von Dieselruß finden Sie auf unserer Seite Dieselruß und Gesundheit.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Schleichendes Gift

Wenn Verbote zu spät kommen: Große Teile der weltweiten Orca-Bestände stehen vor dem Aussterben. Schuld ist ein Schadstoff, der seit fast 15 Jahren auf der Schwarzen Liste steht.

Zu viel, zu schnell

Der Modekonzern H&M sitzt auf Ladenhütern im Milliardenwert und weiß nicht wohin damit. Die Entsorgung erfolgt oft auf fragwürdigem Weg, berichten ZDF und Wirtschaftswoche.

Gutes Leben, selbstgemacht

Deutschlandweit zeigten Greenpeace-Aktivisten am Wochenende, wie verantwortungsvoller Konsum geht. Und dass das nichts mit Verzicht zu tun haben muss.