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Gerichtlich verboten: der Begriff CO2-freies Kohlekraftwerk

Dem Energiekonzern Vattenfall ist eine Einstweilige Verfügung des Landgerichts Berlin ins Haus geflattert: Das Unternehmen darf seine Pilotanlage am Braunkohlestandort Schwarze Pumpe vorerst nicht mehr CO2-freies Kraftwerk nennen. Gut so, meint Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid. Der Begriff solle nur die dreckige Kohle sauberwaschen.

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Smid: Vattenfall will die Öffentlichkeit für dumm verkaufen. Es ist Augenwischerei, wenn der Konzern behauptet, Kohlekraftwerke könnten in Zukunft Strom CO2-frei erzeugen. Auch mit der neuen Technik werden erhebliche Mengen CO2 in die Atmosphäre gepustet, da das Treibhausgas nicht vollständig abgeschieden wird. Außerdem sind die Fragen der dauerhaften unterirdischen Lagerung des Klimamülls CO2 völlig ungeklärt - technisch wie rechtlich.

Der Konzern kündigte am Montag Widerspruch an. Man werde für den Begriff CO2-freies Kraftwerk kämpfen. Eine Irreführung der Öffentlichkeit hält Vattenfall nicht für gegeben. Bei der Braunkohleverstromung falle immer CO2 an. «CO2-frei» sei nur eine gebräuchliche Kurzformel für das geplante neue Verfahren. Man habe den auch von Bundeskanzlerin Merkel und Umweltminister Gabriel verwendeten Begriff lediglich übernommen.

Am Standort Schwarze Pumpe in der Lausitz baut Vattenfall derzeit eine sogenannte Oxyfuel-Anlage. Bei dieser Technologie wird das in den Verbrennungskammern erzeugte Kohlendioxid konzentriert und unter hohem Druck verflüssigt, um es dann unterirdisch zu lagern. Das Verfahren verbraucht zusätzliche Energie, für die dann noch mehr Braunkohle abgebaut werden muss. Vor 2020 wird es zudem kaum einsatzfähig sein.

Publikationen

Factsheet: CO2-freie Kohle-Kraftwerke

Wer Kohle verbrennt, produziert dabei immer Kohlendioxid (CO2). Wenn überhaupt von CO2-„Freiheit“ die Rede ist, dann ist damit gemeint, dass das, was aus dem Schornstein eines Kraftwerkes in die Luft geblasen wird, kein CO2 mehr enthält.

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