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Chemikalien gefährlich für Säuglinge

Ungeborene und neugeborene Kinder leiden besonders unter dem heutigen Chemikalienunwesen. Zu diesem Ergebnis kommt eine von Greenpeace in Auftrag gegebene Studie, die am Montag veröffentlicht wurde. Chemikalien mit hormonähnlicher Wirkung, wie Nonylphenol, können Wachstum und Entwicklung der Säuglinge beeinflussen sowie deren Reproduktionsorgane und Immunsystem schädigen.

Babys und Kleinkinder nehmen die Chemikalien in anderer Weise auf, wandeln sie um und reichern sie in ihren Körpern an als dies bei Erwachsenen der Fall ist. Solche Gefahren abzustellen, wäre darum vorrangige Aufgabe des neuen EU-Chemikalienrechts. Bislang allerdings deuten die Zeichen darauf hin, dass die Chance ungenutzt verstreichen wird.

Im Namen aller Eltern fordert Greenpeace, dass das neue EU-Chemikalienrecht dafür sorgt, dass gefährliche Chemikalien nicht mehr die Gesundheit unserer Kinder gefährden können, sagt deshalb Mark Strutt, Chemie-Experte von Greenpeace.

Am 29. Oktober wird die EU-Kommission ihren endgültigen Entwurf für ein neues Regulierungssystem unter dem Namen REACH vorlegen (Registrierung, Bewertung und Zulassung von Chemikalien). Dann wird sich zeigen, ob es der Chemieindustrie und ihren Lobbyisten gelungen ist, den Entwurf so weit zu verwässern, dass kaum eine Verbesserung für Verbraucher dabei herauskommen wird.

Ursprünglich sollten alle Chemikalien, deren jährliche Produktion eine Tonne übeschreitet, auf Umwelt- und Gesundheitsgefahren getestet werden. Davon wären rund 30.000 Einzelstoffe betroffen gewesen. Risiko-Chemikalien hätten einer besonderen Genehmigung bedurft. Die Industrie hätte zunächst die Unbedenklichkeit der Stoffe beweisen müssen.

Doch der Druck der Chemiekonzerne zeigt bereits Wirkung: In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass die notwendigen Tests zusammengestrichen wurden und überhaupt nur noch Chemikalien untersucht werden sollen, von denen jährlich mehr als zehn Tonnen produziert werden sollen. Viele Chemikalien wirken aber schon in extrem geringen Dosierungen.

Solche Chemikalien durch ungefährlichere Alternativen zu ersetzen, wäre zum Wohl aller Menschen, mahnt Strutt. Die chemische Industrie muss endlich aufhören, die Körper von Kindern zu verseuchen.

Handeln Sie: Fordern Sie die EU-Kommissare auf den Entwurf für ein neues Chemikalienrecht nicht an den Interessen der Industrie auszurichten, sondern an dem unserer Kinder auf eine saubere und gesunde Umwelt.  (hol/sit)

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