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Chemikalie explodiert nach Zugzusammenstoß

Keine schnelle Entwarnung nach dem Zugunglück Mitte September nahe dem niedersächsischen Bad Münder. Noch einen Tag nach dem Zusammenstoß herrschte Explosionsgefahr. Die Feuerwehr legte vorsorglich einen Schaumteppich um die kollidierten Güterzüge. Die Unglückstelle wurde weiträumig abgesperrt. Einer der Züge hatte die gefährliche Chemikalie Epichlorhydrin geladen. Ein Teil des Krebs erregenden und explosiven Stoffes ist auch ins Erdreich gelangt.

Der Frontalzusammenstoß der beiden Güterzüge ereignete sich am 10. September gegen 20.45 Uhr. Mehrere Waggons entgleisten und gerieten in Brand. Eine Dreiviertelstunde später explodierte einer der mit dem leicht entflammbaren Epichlorhydrin befüllten Kesselwaggons. Dabei wurden hochgiftige Gase freigesetzt. Rund 200 Anwohner mussten daraufhin ihre Häuser verlassen und konnten erst nach Stunden zurückkehren. Die Menschen im Umkreis von 25 Kilometern wurden aufgefordert, ihre Fenster und Türen geschlossen zu halten. Über die Unfallursache herrscht noch Unklarheit. Die Bahnstrecke zwischen Hameln und Springe blieb gesperrt.

Schon bei nur kurzem Kontakt mit Epichlorhydrin ätzt die Substanz die Augen, die Haut und die Atmungsorgane. Inhalation des Dampfes kann zu Lungenödem führen. Möglich sind Effekte auf das Nervensystem. Weitere Kontaktsymptome können Übelkeit, Erbrechen und Bewusstlosigkeit sein. Bei Ratten führte mehrtägiger Kontakt mit hohen Konzentrationen der Chemikalie (100 ppm) zu bösartigen Nasenraumtumoren. Jährlich werden in Deutschland rund 50.000 Tonnen Epichlorhydrin hergestellt und verwendet. Es dient zur Herstellung von Glyzerin, Klebstoff und Lackvorprodukten. Aus der Flüssigkeit können sich die hochgefährlichen Gase Phosgen und Chlorwasserstoff bilden.

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