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Chemie außer Kontrolle

Bis zum Hals steht der Aktivistin die blaue Chemikaliensuppe in einem überlebensgroßen Reagenzglas. Daneben ein Banner mit der Aufschrift Chemieindustrie und Schröder: Zu viel Gift für Verbraucher. Mit dieser Aktion hat Greenpeace am Freitagmorgen vor dem Nobelhotel Vier Jahreszeiten an der Hamburger Alster auf einen Missstand in der europäischen Chemikalienpolitik aufmerksam gemacht: Die Selbstkontrolle der Chemieindustrie und das existierende EU-Chemierecht versagen beim Schutz der Menschen.

Zu diesem Ergebnis kommt auch eine neue Studie Chemie außer Kontrolle, die Greenpeace zur Jahresversammlung des Verbandes der Europäischen Chemieindustrie CEFIC präsentiert hat. Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder erhielt ein Exemplar beim Betreten des Tagungshotel in die Hand gedrückt. Drinnen hielt er dann eine Rede vor den Vertretern der Chemieindustrie, in der er sich nach Aussage eines Zuhörers sehr industriefreundlich äußerte. Ein weiterer Gast war EU-Industriekommissar Erkki Liikanen.

Schröder und Liikanen torpedieren im Interesse der Chemielobby immer wieder die Pläne für eine neue wirksame Chemikalienpolitik in Europa, wirft Greenpeace-Chemieexperte Manfred Krautter den Politikern vor. Schröder und Liikanen müssen endlich die Verbraucher vor den Giftstoffen schützen und nicht die Chemiegifte vor wirksamen Gesetzen.

Gifte finden sich mittlerweile sogar in der Muttermilch oder in abgelegenen Alpenregionen wieder. Greenpeace fordert deshalb eine rasche Generalreform des EU-Chemierechtes: Gefährliche Chemikalien dürfen nur noch in Ausnahmefällen zugelassen und Stoffe, die nicht ausreichend untersucht sind, sollen nicht mehr vermarktet werden.

Für die Studie wählte Greenpeace zehn alltägliche Chemikalien aus. Sie stehen exemplarisch für mehrere Tausend gefährlicher und kaum untersuchter Industriechemikalien, denen die EU-Bürger ausgesetzt sind. Unter den zehn unter die Lupe genommenen waren Weichmacher aus PVC-Böden, bromierte Flammschutzmittel aus Computern, Moschusverbindungen aus Duftstoffen, Nonylphenol aus Reinigern und Pestizide. Produziert werden sie in großen Mengen von den führenden europäischen Chemieunternehmen wie Bayer, BP, Elf Atochem, Aventis, BASF und Dow. (mir)

Die Studie belegt, dass die gefährlichen Chemikalien massiv die Umwelt belasten und Verbraucher in direkten Kontakt mit ihnen kommen. Unter anderem zeigt die Untersuchung:

  • Alle zehn untersuchten Chemikalien sind aufgrund ihrer Eigenschaften besonders gefährlich für Umwelt und Menschen.
  • Sieben der zehn Chemikalien werden in alltäglichen Konsumprodukten eingesetzt und können so über Haut, Lunge oder die Nahrung von Verbrauchern aufgenommen werden.
  • Alle untersuchten Chemikalien reichern sich auch in der Nahrungskette an. Mindestens sechs wurden sogar als Rückstände in der menschlichen Muttermilch nachgewiesen.
  • Alle zehn untersuchten Chemikalien sind nur mangelhaft auf ihre Giftwirkungen untersucht.
  • Bei fünf der zehn Chemikalien sind die Abbauprodukte noch giftiger als die Ausgangsstoffe.
  • Keine der untersuchten Chemikalien unterliegt ausreichenden gesetzlichen Einschränkungen bei der Produktion oder Vermarktung.

Die Studie in PDF-Format(auf Englisch)

Publikationen

Chemie außer Kontrolle

Die Greenpeace-Studie ergibt: Die Selbstkontrolle der Chemieindustrie und das existierende EU-Chemierecht versagen beim Schutz der Menschen. Es wird gefordert: Gefährliche Chemikalien dürfen nur noch in Ausnahmefällen zugelassen und Stoffe, die nicht ausreichend untersucht sind, sollen nicht mehr vermarktet werden.

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