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Brasilien: Weitere Giftschwemme droht

Auch über eine Woche nach der Umweltkatastrophe in Brasilien sind die Auswirkungen im südöstlichen Bundesstaat Minas Gerais noch überall sichtbar. Dort war am vorletzten Wochenende ein Rückhaltebecken für Chemikalien aus der Papierherstellung ausgelaufen. Weißer Schaum auf den Flüssen Pompa und Paraiba do Sul sowie tote Fische, die mit dem Bauch nach oben im Wasser treiben, zeigen die Spur der Verwüstung an, die die 1,2 Milliarden Liter giftiger Brühe hinterlassen haben.

Inzwischen warnen Fachleute vor der Möglichkeit einer zweiten Katastrophe: Ein weiteres Auffangbecken der Unglücksfabrik Cataguazes de Papel mit 700 Millionen Liter Fassungsvermögen könnte wegen Regens überlaufen.

Während über 600.000 Menschen in der Region für Trinkwasser aus Tankwagen anstehen müssen, teilte die Justiz mit, dass sich die Direktoren und Besitzer der Fabrik wohl auf der Flucht befänden. Der Produktionsstandort wurde für Untersuchungen geschlossen. Das mit Ätznatron schwer belastete Wasser in den Flüssen wird in den nächsten Tagen das Meer erreichen. Fischfang sowie die Bewässerung der Felder ist in den betroffenen Gebieten bis auf weiteres verboten. Ökologen befürchten, dass das Ökosystem bis zu 15 Jahre brauchen wird, bis es sich erholt hat.

Umweltschützer sprechen von dem größten Industrieunfall in der Geschichte Brasiliens. Das versuchen staatliche Stellen mit dem Hinweis auf eine Schwermetallverseuchung 1982 in derselben Region zu relativieren. Sogar der wegen seiner katastrophalen Öl-Unfälle immer wieder in die Schlagzeilen geratende Staatsbetrieb Petrobras wurde um Hilfe ersucht. Seine Schwimmbarrieren sollen an den Mündungen der Flüsse eingesetzt werden. Die Wasserkraftwerke an den beiden verseuchten Flüssen stellen sich darauf ein, die doppelte Menge an Wasser aus ihren Stauseen einzuleiten, um die gefährliche Fracht in den Flüssen zu verdünnen. (mir)

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